Herbstwege laden zum Wandern ein

Herbst – Farbenrausch und Abschied

Kennst du das? Jetzt, im Herbst, schaue ich oft aus dem Fenster und der Anblick des von der Sonne beschienen Herbstlaubes lässt mich innehalten. Ich versinke im Augenblick und vergesse, was ich eigentlich tun wollte. 

Jedes Jahr aufs Neue fasziniert mich die Fülle und Schönheit der Natur im Herbst. Es scheint, als wolle sie unsere Seele noch einmal mit ihrer ganzen Pracht beschenken, bevor die grauen Tage des Winters Einzug halten.

Der Oktober ist ein geschäftiger Monat. Die letzten Früchte werden geerntet und verarbeitet. Der Garten verlangt noch einmal viel Aufmerksamkeit und Pflege. Wie erholsam ist da ein ausgedehnter Spaziergang durch die Herbstlandschaft auf dem wir uns ganz der Schönheit und Stille hingeben können.

Pilze verbreiten einen köstlichen Duft

Pilze verbreiten einen köstlichen Duft

Waldbaden – Echt jetzt?

Der Begriff „Waldbaden“ ist zu einem Trendwort geworden. Nicht nur Japaner haben die Heilkraft des Waldes für sich entdeckt. Auch hier bieten mehr und mehr Hotels das Waldbaden als besonderes Event an. Eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen haben die Heilkraft der Waldluft bestätigt. Gerade für Menschen, die an verkehrsreichen Straßen wohnen, kann die sauerstoffreiche, gereinigte Luft und die Stille des Waldes eine große Kraftquelle sein.

Der Übergang vom Sommer zum Herbst

Der Übergang vom Sommer zum Herbst

Zugegeben, für Odenwälder, denen der Wald immer präsent und selbstverständlich ist, erscheint der Begriff eher befremdlich und sorgt für Scherze und hämische Bemerkungen. Ein Waldspaziergang ist ein Waldspaziergang.

„Waldbaden“ meint jedoch einen besondere Art von Waldspaziergang. Es ist ein Spaziergang der Achtsamkeit. Du gehst nicht einfach plaudernd mit anderen oder auch allein durch den Wald, etwa um dich zu bewegen. Nein, „Waldbaden“ heißt, ganz im Augenblick zu verweilen und sich mit allen Sinnen dem Wald zu nähern. 

Es lohnt sich, einmal ganz in der Wahrnehmung zu bleiben und den Alltag in den Hintergrund rücken zu lassen.

Die Schritte rascheln im Herbstlaub

Die Schritte rascheln im Herbstlaub

Waldbaden – Wie geht das?

Konzentriere dich bei deinem Weg durch den Wald einmal ganz auf das, was da ist. Gehe nicht zu schnell, damit du Zeit zum Schauen hast. Sieh genau hin. Welche Farben hat das Laub der Bäume um dich herum? Aus welcher Richtung kommt die Sonne? Betrachte für eine Weile das Lichtspiel das entsteht, wenn sie durch das lichter werdende Laub fällt. Betrachte den Laubteppich, die bemoosten Baumstümpfe und die interessante Färbung der heruntergefallenen Blätter. Wirf eine Handvoll Laub in die Luft und betrachte den selbstgemachten Sturm.

Was riechst du? Fällt dir der Duft des Laubes auf? Riechst du den feuchten Waldboden? Suche einige Pilze (du musst sie für die Übung nicht abschneiden) und atme ihren Duft ein. Es gibt Pilzsucher, die setzen ihre Nase bewusst ein, um begehrten Speisepilzen auf die Spur zu kommen. 

Wie fühlt sich das Herbstlaub an? Spürst du den Wind und die Wärme der Sonne auf deiner Haut? Wie verändern sich deine Schritte, wenn sie über eine Laubschicht oder eine Schicht Erlennadeln gehen? Lege deine Hände auf die Rinde eines Baumes. Schließe die Augen und ertaste die Struktur. Nimm Herbstlaub, Äste, Steine in die Hand und streiche über das Moos der Baumstümpfe. Lass dir Zeit dabei!

Was hörst du? Der Herbstwald ist voller Geräusche. Hörst du das Knistern der herunterfallenden Blätter? Das leise Ploppen der Eicheln oder Bucheckern, die auf dem Waldboden aufschlagen? Wenn du Glück hast, hörst du das Platzen der Bucheckernschalen. Das Rascheln der Blätter, wenn der Wind hindurchstreicht ist lauter als das der herunterfallenden Blätter. Es gibt auch noch Vogelstimmen zu hören und Eichhörnchen und andere Tiere, die durch den Wald streifen. Das Geräusch deiner Schritte ändert sich mit dem Untergrund und mit der Geschwindigkeit. 

Wann hast du das letzte Mal eine Buchecker gekostet? Genieße den nussigen Geschmack der kleinen Kerne. Wenn du Esskastanien findest, probiere auch sie. Das sind die Kastanien, die in einer sehr stacheligen Hülle stecken und einen „Pinsel“ am oberen Ende haben. Die glatten, glänzenden Rosskastanien verursachen Übelkeit und Erbrechen.

Kennst du dich mit Pilzen aus? Dann hast du vielleicht Glück und entdeckst einige, die du später braten kannst. 

Bevor du dich auf den Weg zurück machst, bleibe einige Momente ruhig stehen. Nimm ein paar tiefe Atemzüge. Koste die frische Luft aus, die deine Lungen füllt.

Bemooste Baumstümpfe lassen sich überall finden

Bemooste Baumstümpfe lassen sich überall finden

Zeit des Loslassens

Bäume ziehen sich im Herbst in sich selbst zurück. Sie werfen alles, was sie zum Überleben im Winter nicht brauchen, von sich. Sie entziehen dem Laub ihre Lebenssäfte, damit sie im Winter keine Kraft verschwenden. Auch ihre Früchte mit den darin verborgenen Samen werfen sie ab und schicken diese auf ihren eigenen Lebensweg. Die Zeit der Winterruhe dient dazu, den Lebenskern zu erhalten, damit im Frühjahr der Kreislauf des Lebens erneut beginnen kann. Die Knospen für das neue Leben im Frühjahr werden übrigens schon jetzt angelegt. Schau dir im Winter eine Baum genau an. Dann siehst du die winzigen Knospen, in denen schon die Blätter und Blüten auf das Frühjahr warten.

Die letzten Herbstastern verstecken sich

Die letzten Herbstastern verstecken sich

Auch wir müssen im Herbst loslassen. Wir müssen uns vom Sommer mit seine warmen, hellen Tagen verabschieden. Das Licht wird weniger, die Freibäder sind geschlossen und die Abende, an denen wir im Garten oder Biergarten zusammensitzen konnten sind vorbei. Dieses äußere Loslassen kann für uns ein Anstoß sein, auch in unserem Leben einige Dinge loszulassen. Es gilt, das Augenmerk darauf zu richten, was unnötiger Tand ist. Was wollen wir wirklich? Was in unserem Alltag dient dem Leben? Was ist überflüssig? Dabei geht es nicht nur um ein Entrümpeln unserer Wohnung. Es gilt, unsere Gewohnheiten, unsere Vorstellungen von uns selbst und unsere Beziehungen auf den Prüfstein zu legen. Welches sind die Krafträuber in meinem Leben? Was tue ich, obwohl ich weiß, das es nicht gut für mich ist? Was tue ich nur, weil andere es von mir erwarten? Welche Beziehungen tun mir nicht gut? Gibt es Beziehungen, deren Intensität ich vermindern oder die ich gar lösen sollte? Habe ich Zeit für die Beziehungen, die mir wichtig sind? Hat mein Alltag genug Platz für mich selbst und meine Bedürfnisse?

Lichtspiel der Sonne

Lichtspiel der Sonne

Es tut gut, vor der Ruhe des Winters zu schauen, was mein Leben ausmacht. Sofern wir uns darauf einlassen, werden wir in der dunklen Jahreszeit auf uns selbst zurückgeworfen. Da ist es wichtig, dass wir es gut mit uns selbst aushalten können. Eines der wirksamsten Mittel gegen die Winterdepression ist, zu wissen, was uns gut tut und was Kraftquellen für uns sind. Loslassen hat auch etwas mit Selbstfürsorge zu tun. 

Eine vergessene Quitte erinnert an die reiche Ernte

Eine vergessene Quitte erinnert an die reiche Ernte

Vor allem aber bedeutet Loslassen, sich auf Veränderungen einzulassen und sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen.

Sind schließlich alle Blätter gefallen, ziehen sich die Farben in der Natur zurück. Zeit, Pinsel und Stifte hervorzuholen und Selbst Farben aufs Papier und in den Alltag zu bringen. 

Fehlen dir Material und Platz, sind unsere Winterkurse im Atelier vielleicht etwas für dich, denn…

Kreativität öffnet Räume.

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