Lederpapier Bild 1

Lederpapier selbst herstellen

Nix zum Anziehen?

Kennst du das? Du stehst vor dem gut gefüllten Kleiderschrank und hast keine Ahnung, was du anziehen sollst? So ein ähnliches Gefühl breitet sich in uns aus, wenn wir vor unserem Mixed Media Fundus stehen und passende Schnipsel für ein Bild suchen.

Als Christine ihr Mixed Media Bild „The power inside“ gestaltete, suchte sie zur Gestaltung der Jacke ein passendes Material. Leder fand sie geeignet, aber das befand sich nicht im Fundus. Lederreste im Internet zu bestellen, war zu teuer. 

Nach eingehender Recherche  stieß sie auf Lederpapier und bestellte ein paar Bögen. So bekam ihre Powerfrau ein passendes Outfit. 

Aber Christine wäre nicht Christine, wenn das Thema damit beendet gewesen wäre.

„Das muss ich doch selber herstellen können“,

dachte sie sich und recherchierte weiter. Lederpapier selbst herzustellen ist einfach und kostengünstig. Zudem ist unser selbst gemachtes Lederpapier weicher und stabiler als das gekaufte.

Du brauchst dazu:

  • Glyzerin (aus der Apotheke)
  • Wasser
  • Papier
  • Glanzlack oder Finish
  1. Mische zwei Teile Glyzerin mit einem Teil Wasser und fülle die Mischung in eine kleine Sprühflasche. 
  2. Lege dein Papier auf eine glatte Unterlage. Papier ist nicht so geeignet, weil es mit dem Lederpapier verkleben oder abfärben kann. Besser ist eine Unterlage aus Kunststoff oder eine Glasplatte. 
  3. Besprühe dein Papier mit der Glyzerin-Wasser-Mischung. Achte darauf, dass das Papier gut gesättigt wird. Massiere die Mischung vorsichtig in das Papier ein. 
  4. Verfahre mit der Rückseite genauso.
  5. Zerknülle das so vorbereitete Papier gründlich und öffne es wieder. So entsteht die Lederoptik.
  6. Wiederhole den Vorgang mindesten einmal.
  7. Lasse das Lederpapier gut trocknen. Im Laufe einiger Stunden wird die Glyzerin-Wasser-Mischung vollständig vom Papier aufgesogen.
  8. Überziehe das Papier mit einer Schicht Glanzlack oder Finish. Das verstärkt den Ledereffekt und schützt das fertige Papier.
Wasser und Glyzerin werden gemischt

Wasser und Glyzerin werden gemischt

Das Papier wird mit der Mischung eingesprüht

Das Papier wird mit der Mischung eingesprüht

Das getränkte Papier wird zerknüllt

Das getränkte Papier wird zerknüllt

Das fertige Lederpapier wird mit einem Finish überzogen

Das fertige Lederpapier wird mit einem Finish überzogen

Braunes Lederpapier – wie langweilig

Braunes Lederpapier bringt die Lederoptik natürlich besonders gut zur Geltung. Mit einer Prägeschablone bearbeitet und mit schwarzer oder brauner Distress-Ink gefärbt, sieht das Papier aus wie Vintage-Leder. 

Aber nicht nur die Optik erinnert an Leder, sondern auch die Haptik. Das Papier wird durch die Bearbeitung mit Glyzerin weicher und stabiler. So lässt es sich vielfältiger verarbeiten. 

Stabiles Lederpapier kannst du mit Fotokarton besonders gut herstellen. Farbe oder Gestaltung spielen dabei keine Rolle. Auch ein buntes Lederpapier sieht interessant aus. 

Lederpapier kann aus verschiedenen Papieren hergestellt werden

Lederpapier kann aus verschiedenen Papieren hergestellt werden

Wenn die Stabilität eine untergeordnete Rolle spielt, kannst du jedes erdenkliche Papier in Lederpapier „verwandeln“.

Mit altem Notenpapier, einfachem Tonpapier, Geschenkpapier oder alten Buchseiten kannst du ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. 

Allerdings werden die Farben durch das Glyzerin etwas dunkler und weniger leuchtend.

Was fange ich mit dem Lederpapier an?

Hast du in der Begeisterung für die einfache Technik einen ganzen Stapel Lederpapier hergestellt? Kein Problem.

Für die Figuren deiner Mixed Media Pages kannst du Kleidungsstücke, Schuhe oder Taschen ausschneiden und aufkleben. 

Geschenke lassen sich mit Lederpapier verschönern. Wegen seiner hohen Stabilität eignet es sich auch zum Verschönern von Alltagsgegenständen. Du kannst es mit der Nähmaschine oder mit der Hand auf Taschen oder Etuis nähen, denn das Lederpapier ist fast so flexibel wie echtes Leder.

Es eignet sich hervorragend zum Einbinden von Heften oder Büchern. 

Aus einem einfachen Schulheft lässt sich ein individuelles Sketchbook oder Notizbuch gestalten. Dazu klebst du Stücke des Lederpapieres mit Buchbinderei auf den Umschlag. Nähe dann Ziernähte auf. Das geht leicht mit der Nähmaschine oder nähe einfach mit der Hand. Der „Rücken“ des Heftes bekommt ein Washi-Tape oder ein buntes Textilklebeband, damit du einen schönen Abschluss erhältst. Stören dich die Nähte auf der Innenseite, klebe ein schönes Papier darüber.

Wenn du deine Art Journals selbst bindest, eignet sich ein Lederpapier, das du mit Stoff oder einem dünneren Papier verstärkst, für das Cover.

Ein Art Journal mit aufgenähtem Lederpapier

Ein Art Journal mit aufgenähtem Lederpapier

Schöne Postkarten kannst du gestalten, indem du ein Stück Lederpapier auf ein anderes Papier nähst. Das doppelte Papier klebst du dann auf farbigen Tonkarton in Postkartengröße. Wenn es dir Spaß macht, kannst du die Karte dann noch mit Stempeln oder einem schönen Handlettering verschönern.

Postkarten könne mit aufgenähtem Lederpapier gestaltet werden

Postkarten könne mit aufgenähtem Lederpapier gestaltet werden

Fazit – Na gut, wenn´s denn sein muss:

Lederpapier ist ein vielseitiges, stabiles, flexibles Papier, das stark an echtes Leder erinnert. Es ist einfach und kostengünstig selbst herzustellen.

Im Internet kursieren einige Anleitungen, die empfehlen, das Lederpapier zu waschen, zu bügeln und daraus Taschen oder Ähnliches zu nähen. Wir haben es ausprobiert: mit unseren gekauften und gefertigten Lederpapieren gelingt das nicht. Sie färben aus und reißen, wenn sie nass oder zu stark belastet werden. Zum Nähen einer Tasche nimmst du am besten veganes Leder (z.B. SnapPap). Das hat eine Kunststoffbeimischung und ist wesentlich stabiler und reißfester.

Auf eine einfache Stofftasche kannst du unser Lederpapier gut aufnähen. Nur in die Waschmaschine sollte sie dann nicht. 

Lederpapier regt zum Spielen und Ausprobieren an und bietet neue Ausdrucksmöglichkeiten. Genau das Richtige also, um der eigenen Kreativität auf die Spur zu kommen. Es macht Spaß und  lädt ein, neue Wege zugehen, denn…

Kreativität öffnet Räume.

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