Gemalter Tannenbaum

Advent – Kreative Zeit für dich

ADVENT  ERLEBEN

Denke ich an Advent und Weihnachten, sehe ich zunächst eine Welle von Kitsch auf mich zurollen. Dekorierte Innenstädte, Lichterketten, Figuren und Laserpointer an Häusern und DIY – Vorschläge, in denen Glitzer und Gold eine große Rolle spielen.

Kitschige Fotos  von heilen Familien, in denen die Generationen vereint am Tisch sitzen dominieren die Zeitschriften. Werbesendungen mit glücklichen Bilderbuchkindern, deren Augen leuchten und zu Herzen gehende, gefühlsdusselige Weihnachtsgeschichten begegnen mir überall.

Fernab der Realität wird eine Welt erfunden, in der für einige Tage alles gut ist. Schwer zu ertragen ist das für alle, die allein, krank, trauernd oder von Sorgen geplagt sind.

Mit Sternen beleuchtete Kirche

Die Grenze zwischen Kitsch und adventlicher Stimmung ist manchmal fließend.

Eine neue Sichtweise entwickeln

Trotzdem liebe ich die Weihnachtszeit. Festzeiten und Rituale unterbrechen die Alltagsroutine und geben dem Leben einen eigenen Glanz. Zeiten der Arbeit und der Pflichterfüllung werden durch die Feste im Jahreskreis unterbrochen. Sie lassen ahnen, dass das Leben mehr ist, als Alltag und Arbeit. Feste geben Struktur und schaffen Raum für die großen Sinnfragen des Lebens, sofern wir die Chance ergreifen. Es gilt die Balance zwischen Vorbereitungsstress und Vorfreude zu finden.

Du kannst dich im Adventstrubel verlieren und dich von all den Aufgaben vereinnahmen lassen ohne einen großen Nutzen daraus zu ziehen. Oder du verschließt dich der ganzen Aufregung und tust so, als ginge dich das nichts an. Aber du kannst diese besondere Zeit auch für dich nutzen und sie gestalten. Das Drumherum des Trubels und Lärms kannst du nicht ändern, aber du kannst deine innere Einstellung dazu verändern.

Die Geschenke der Weihnachtszeit annehmen

Ich liebe es, Plätzchen zu backen und Kerzen anzuzünden. Der Duft, der durchs Haus zieht, lässt fast von selbst den Alltag von mir abfallen. Auch der Geruch von Tannengrün oder ein naturreines Weihnachtsduftöl haben diesen Effekt.

Hildegard von Bingen erforschte die Heilkraft von Kräutern und Gewürzen. Ihre Erkenntnisse sind auch heute noch von großer Bedeutung. Gewürze wie Zimt, Koriander oder Vanille im Gebäck oder im Tee wirken stimmungsaufhellend auf die Seele und kurbeln das Immunsystem an. Sie lassen Bilder aufsteigen, die an den Zauber, den die Weihnachtszeit für Kinder hat, erinnern. Der Geruchsinn ist direkt mit dem Gehirn verknüpft und Gerüche bergen Erinnerungen aus der Zeit, bevor es Sprache für dich gab.

So werden Gefühle in dir abgerufen, die aus der frühesten Kindheit stammen. Wie mag es wohl gewesen sein, dein erstes Weihnachten? Wann hat der erste Kerzenduft und der erste Geruch von Zimt dein noch junges, offenes Gehirn erreicht?

Auch die Weihnachtslieder, die wir selbst spielen, singen oder anhören, lassen uns an unbeschwerte Kindertage denken. Es gibt ja nicht nur albgenudelte Weihnachtsschlager, sondern auch großartige Weihnachtsmusik außergewöhnlicher Musiker. Wann hast du dir zum letzten Mal das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach angehört? Kennst du es überhaupt? Ein altes, frommes Stück, aber jenseits jeden Kitsches erzählt es vom Glauben und vom Leben.

Oder kennst du Pentatonix? Eine A-Capella-Band mit hinreißenden Stimmen, die Weihnachtslieder neu interpretieren. Streicheleinheiten für die Seele bietet Musik immer, aber es gibt eben Stücke, die sind untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden und verleihen ihr einen ganz eigenen Glanz.

Schaukelpferd

In der Weihnachtszeit werden Erinnerungen an die Kindheit wach.

Kreativität, die der Seele gut tut

Ähnliches gilt auch für die Weihnachtsdekoration. Manche brauchen ein bestimmtes Maß an Kitsch, um die Adventszeit genießen zu können. Warum auch nicht?

Die Wohnung zu gestalten und auf das Fest einzustimmen, ist ein Form der Selbstfürsorge, die glücklich macht.

Es gibt auch eine Menge Anregung, die Wohnung schlicht und trotzdem stimmungsvoll zu dekorieren. Naturmaterialien, Fundstücke aus dem Wald und dem Garten und einfache Deko lassen die Stimmung heimeliger und die Umgebung gemütlicher werden. Ein blühender Weihnachtsstern auf dem Tisch oder ein einfacher Adventskranz tun dem Auge gut und berühren das Herz.

Kerzen und Lichter sind ein Aufbegehren gegen die Dunkelheit in diesen Tagen, die oft genug gar nicht hell werden wollen.

Geschenke können Zeichen der Zuwendung sein

Viele regen sich zurecht über den steigenden Konsum an Weihnachten auf und können mit der sinnlosen Geschenke-Verteilerei nichts anfangen. Für mich ist es einfach ein schöner Anlass, denen, die ich liebe, eine kleine Freude zu bereiten. Kleinigkeiten auszusuchen, zu gestalten und hübsch zu verpacken oder eine nette Weihnachtskarte zu schreiben, macht Spaß und zeigt den Beschenkten meine Wertschätzung. Aus der Glücksforschung ist bekannt, dass es heilsam für die Seele ist und zu einem erfüllten Leben gehört, etwas für andere Menschen zu tun. Wenn wir dabei auch noch unserer eigenen Kreativität Raum geben dürfen – um so besser.

Natürlich kannst du deinen Lieben auch zu jeder anderen Jahreszeit eine Freude machen und ihnen zeigen, wie wichtig sie für dich sind. Aber oft genug verschieben wir solche Dinge auf „bald, irgendwann, demnächst, wenn ich Zeit habe“. Da kann das Weihnachtsfest so etwas wie eine „Glocke der Achtsamkeit“ sein, die dich daran erinnert, dir Zeit für deine Freunde und deine Familie zu nehmen.

Miteinander auf dem Weg sein

Für viele Menschen sind die an Weihnachten üblichen Familientreffen ein Graus. Sie sehnen sich nach Tagen der Stille und des Rückzuges.

Mit Tante Elfriede am Tisch zu sitzen, die man noch nie leiden konnte, kann eine echte Belastung sein. Ein Alptraum ist es für manche, die Komplette Familie im Haus zu haben und bekochen zu müssen. Die Vorstellung, dass Tante Elfriede allein zu Hause das Fest vor dem Fernseher verbringt, kann genauso belastend sein. Wir sind auf soziale Beziehungen angewiesen, auch wenn diese oft anstrengend sind.

Obstschale und Nüsse

Auch ein gemütliches Treffen mit Freunden gehört zur Adventszeit

Gut ist es, wenn es auch Zeiten der Erholung und des Rückzugs zwischen den Jahren gibt. Es lohnt sich, die Belastungen auf mehreren Schultern zu verteilen. Ein willkommener Anlass, sich einmal wieder zu treffen und einige Stunden miteinander zu verbringen, ist das Weihnachtsfest eben auch. Es ist unsere Aufgaben, die Feiertage so zu gestalten, dass die Freude und die schönen Momente überwiegen.

Wer allein ist, wird dies an Weihnachten besonders spüren und sich einsam fühlen. Eine Reihe von Kirchengemeinden und Klöster bieten an den Feiertagen gemeinsame Aktionen an und die Weihnachtsgottesdienste sind besonders festlich. Warum nicht andere Einsame einladen? Es erfordert ein bisschen Mut, doch es könnte ein besonders vergnüglicher Abend daraus werden.

Starten wir also mit neuen Ideen in die Adventszeit und lassen wir uns vom Leben überraschen, denn…

Kreativität öffnet Räume

© Marion

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