Wandel

Die 11. Rauhnacht: Wandel

4. Januar – Wandel

Die 11. Rauhnacht ist der Energie des Novembers anvertraut. Der November ist ein Monat, den viele Menschen fürchten wegen seiner Tristesse, den vielen dunklen Nebeltagen und dem nahenden Winter. Es ist sicher keine Zufall, dass es der Monat der Totengedenktage ist. Die Natur hat sich von der Zeit des Wachsens, der Saat und der Ernte verabschiedet. Abende im Freien, Ausflüge in die Natur und andere Freuden des Sommers sind zu Ende und das Leben spielt sich vorwiegend in Innenräumen ab. Die wenigen Farben, die Dunkelheit und Kälte, die noch nicht von den Adventskerzen erhellt ist, lassen uns unsere Trauer ganz besonders schmerzlich spüren. Es ist aber auch eine Zeit des Rückzugs. Bäume und Blumen haben sich in ihr Innerstes zurückgezogen und ihre Knospen oder Zwiebeln noch fest verschlossen.

Der Rückzug in uns selbst, das Langsamer-Werden der Zeitabläufe und die wenigen Gelegenheiten einander zwanglos zu begegnen, geben uns die Möglichkeit, unser Leben in Ruhe zu betrachten.

Quitte, die auf dem Boden verrottet.

Im ewigen Kreislauf der Natur ist der Wandel die treibende Kraft.

Die 11. Rauhnacht schenkt uns Veränderungen

Das Leben ist eine ziemlich unsichere Angelegenheit. Das Einzige, auf das wir uns verlassen können, ist, dass es sich immer wieder verändert. Du kannst damit hadern, dass du dich immer wieder auf neue Aufgaben und Erfahrungen einlassen musst. Oder du kannst den Wandel dankbar annehmen. Je mehr es dir gelingt, achtsam in der Gegenwart zu leben, desto leichter kannst du dich auf Veränderungen einlassen. Werde dir bewusst, dass dein Leben sich immer heute abspielt. Der gegenwärtige Moment ist die einzige Wirklichkeit. Was gestern war, ist vorbei und was morgen kommt ist noch ungewiss. Konzentrierst du dich auf deine Aufgaben heute, so wirst du dich dem Fluss des Lebens viel leichter anvertrauen können. Alles Gute, was dir widerfährt genießt du mit ganzem Herzen und allen Sinnen. Alles Schwere erträgst du in dem Bewusstsein, dass sich auch dieses wieder verändern wird. Leben ist Bewegung.

 

Wenn die harte Schale bricht,

dehne ich mich aus.

Der Fluss des Lebens

ergreift mich, 

trägt mich fort

und spült mich

verwandelt

wieder ans Ufer.

 

Wandel bedeutet auch Abschied nehmen

Der Toten gedenken bedeutet Zweierlei. Auf der eine Seite holen wir uns die, die wir geliebt haben und von denen wir uns verabschieden mussten, noch einmal ganz nah in unser Herz und unsere Gedanken. Auf der anderen Seite üben wir, die Toten gehen zu lassen. Wir zünden ein Licht auf dem Grab an, verweilen eine Weile und wenden uns dann wieder dem Leben zu, während die brennende Kerze und ein kleines Stück von uns auf dem Friedhof bleiben.

Es tut gut, sich auch von den „Gespenstern“ in deinem Leben zu verabschieden. In den vergangenen Tagen hast du dich damit auseinandergesetzt, was du gerne loslassen möchtest, was du dem Wandel unterziehen möchtest, damit Neues entstehen kann. Ein Ritual kann dir dabei helfen, innerlich ganz loszulassen.

Verschneite Rosenblüten

Im Schnee erzählt die Rose vom Sommer.

Loslassen, was dein Leben belastet

Schreibe mit wasserlöslicher Tinte auf Zettel, wovon du dich verabschieden möchtest. Was soll in deinem Leben keine Rolle mehr spielen, dich nicht länger belasten?

Falte aus den Zetteln kleine Boote oder Blüten. Gehe an einen Bach oder Fluss mit einer relativ hohen Fließgeschwindigkeit, damit sich die Boote bewegen können. Setze sie ins Wasser und verabschiede dich von ihnen. Betrachte eine Weile, wie sie davonschwimmen und schicke ihnen einige gute Wünsche oder einen kleinen Dank hinterher. Dann dreh dich um und gehe wieder zurück, ohne dich noch einmal umzusehen.

Du kannst das Ritual noch mit dem Räuchern von Wacholder (Beeren und/oder Nadeln), der eine reinigende Wirkung hat, verstärken, wenn du in deine Wohnung zurückgekehrt bist.

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