Mixed Media Bild

Fototransfer – Zauberei für Mixed Media Art

„Das ist ja Zauberei!“, 

zitiert Christine eine Kursteilnehmerin der letzten Ladies Drawing Night und grinst. Der Abend war ein voller Erfolg. Christine hat den Teilnehmerinnen verschieden Techniken für den Fototransfer gezeigt. Das Übertragen der Fotos grenzt wirklich ein bisschen an Zauberei. Egal, ob mit Matte Medium, Acrylfarbe, Photopotch oder mit der Gelplatte: Die Bilder erscheinen nach dem Bearbeiten wie von Zauberhand auf dem Malgrund.

Fotos aller Art, Bilder aus Zeitschriften oder Büchern, Kopien und Ausdrucke eignen sich für den Transfer. Druckst du die Bilder mit einem Tintenstrahldrucker aus, könne sie leicht verschmieren, weil die Tinte wasserlöslich ist. Du kannst das vermeiden, wenn du die Bilder mit einem Leserdrucker ausdruckst.

Das Abrubbeln der Papierschicht ist bei allen Techniken nicht ganz einfach. Papierreste bleiben kleben und hinterlassen einen weißlichen Überzug. Je nach Beschaffenheit des Zeitungs- oder Fotopapiers ist diese Überzug kaum zu verhindern. Möchtest du trotzdem ein klares Foto, bestreiche das Foto mit Matte Medium. Der Überzug macht die dünne Papierschicht nahezu unsichtbar.

Fototransfer: Hexe auf Leinwand.
Durch den Überzug mit Matte Medium wird das Bild wieder klar.

Fototransfer mit Matte Medium

Der Transfer mit Matte Medium hat den Vorteil, dass die Bilder nicht spiegelverkehrt auf dem Malgrund erscheinen. Der Nachteil ist, dass es etwas länger dauert, weil die Arbeitsschritte mehrfach wiederholt werden müssen. Durch den Überzug mit Matte Medium wird das übertragene Foto glänzend, wie mit einem Lack überzogen. Mischt du das Matte Medium mit wenig gelber oder brauner Farbe, bekommt dein Foto einen Vintage-Touch.

Benötigte Materialien:  Fotos, Matte Medium, Wasser und einen Pinsel

  1. Schneide das Foto so zurecht, wie es auf deinem Malgrund erscheinen soll.
  2. Bestreiche das Foto mit Matte Medium. Trage das Matte Medium reichlich, aber nicht zu dick auf. So verhinderst du Blasenbildung.
  3. Lass das Foto gut trockenen.
  4. Wiederhole den Vorgang mindestens 5x.
  5. Befeuchte die Papierschicht mit Wasser.
  6. Mit dem Finger entfernst du die Papierschicht. Das fertige Foto wird auf einen Malgrund geklebt.
  7. Du kannst den Vorgang etwas vereinfachen, wenn du die Vorderseite mit einem breiten Tesastreifen anklebst. Dann kannst du das Bild komplett ins Wasser legen. So löst sich die Papierschicht besser. Anschließend klebst du das Transferbild mitsamt des Tesastreifens auf dein Kunstwerk.
Hand, die eine Papierschicht abrubbelt. Fototransfer mit Matte Medium.
Die Papierschicht wird vom Klebestreifen abgerubbelt.

Fototransfer mit Acryl- oder Guachefarbe

Beim Transfer mit Acrylfarbe erscheint das Foto spiegelverkehrt auf der Farbschicht. Die Technik eignet sich vor allem dann, wenn das Foto hervorgehoben werden soll. Durch die dicke Schicht Farbe bekommt dein Bild eine leichte Struktur. Nimm helle Farben, damit dein Foto gut zur Geltung kommt. Für farbige Fotos nimmst du am besten weiße Farbe. Auf farbigen Hintergrund verändern sich die Farben des Fotos.

Benötigte Materialien: Fotos, Acryl- oder Guachefarbe, Pinsel und Wasser

  1. Schneide das Foto zurecht. Beachte dabei, dass es spiegelverkehrt auf dem Malgrund erscheint.
  2. Trage eine kräftige Farbschicht an der Stelle auf den Malgrund auf, an der du das Foto platzieren willst.
  3. Trage eine zweite Farbschicht auf das Foto auf. Mit der Farbe verdeckst du das Foto zunächst.
  4. Lege die Farbschichten aufeinander und lasse sie gut trocknen.
  5. Befeuchte das Papier und entferne mit dem Finger die Papierschicht. Auf der Farbe bleibt das Foto gut sichtbar.
Weiße Acrylfarbe mit dem Fototransfer einer Echse.
Auf der weißen Acrylfarbe ist das Transferbild gut sichtbar.

Fototransfer mit Fotopotch

Auch beim Transfer mit Photopotch erscheint dein Foto spiegelverkehrt auf deinem Malgrund. Der Transfer mit Photopotch eignet sich besonders gut für den Transfer auf einem hellen Hintergrund. Die Farbschicht, die übrig bleibt ist recht dünn und durchscheinend. Schwarz- Weiß- Ausdrucke eignen sich besonders gut für den Fototransfer auf einem hellen, farbigen Hintergrund. Die Hintergrundfarbe übernimmt die weißen Stellen des Originalbildes. So sieht dein Ausdruck wie gezeichnet aus.

Benötigte Materialien: Fotos oder Ausdrucke, Photopotch, Pinsel, Wasser

  1. Schneide dein Bild zurecht. Beachte, dass es spiegelverkehrt auf dem Malgrund erscheint.
  2. Bestreiche den Malgrund und die Vorderseite deines Bildes mit Photopotch. Die Flächen sollten gut mit dem Photopotch bedeckt sein. Trägst du zu viel Photopotch auf, quellen die Rest am Rand heraus. Das ist nicht weiter schlimm, wenn dich die glänzend abtrocknende Schicht nicht stört. Trotzdem solltest du die Reste abwischen, weil sonst eine Struktur entsteht.
  3. Streiche dein Bild glatt, damit sich darunter keine Bläschen bilden. Diese führen zum Zerreißen des Papiers, wenn du das Bild abrubbelst.
  4. Lass alles gut trocknen, am besten über Nacht. Schneller geht es, wenn du das Bild mit Hilfe eines Heißluftgerätes trocknest.
  5. Befeuchte das Bild gut und rubble das Papier mit dem Finger ab. Dabei kannst du das Bild immer wieder neu befeuchten.
Im Hintergrund ein Wolf, die Figur im Vordergrund vor dem Abrubbeln der Papierschicht. Fototransfer mit Photopotch.
Der Transfer mit Photopotch vor dem abrubbeln der Papierschicht

Fototransfer mit Gelplatte und Acrylfarbe

Auch die Gelplatte eignet sich für den Fototransfer. Die Ergebnisse sind allerdings nicht so überzeugend wie bei den anderen Techniken. Geeignet für den Transfer mit der Gelplatte sind vor allem Bilder aus Hochglanzmagzinen mit starken Kontrasten. 

Bei dieser Technik erscheint dein Bild spiegelverkehrt auf dem Malgrund.

Benötigte Materialien: Bilder aus Hochglanzmagazinen mit starken Kontrasten, Acryl- oder Gouachefarbe, Gelplatte, Gummirolle 

  1. Trage mit der Gummirolle eine Farbschicht auf die Gelplatte auf.
  2. Schneide dein Bild zurecht.
  3. Lege das Bild auf die Farbschicht und drücke es fest.
  4. Ziehe das Papier wieder ab. 
  5. Drucke das Negativ mit der Gelplatte auf den Malgrund. Am besten rollst du mit der Gummirolle über die Rückseite der Gelplatte, damit ein gleichmäßig Druck entsteht.

Eine detaillierte Anleitung und weitere Tipps und Tricks findest du in unserem Blogbeitrag zur Gelplatte: https://atelierinderschreinerei.de/2018/10/14/neue-techniken-mit-der-gelplatte-2/

Frauenportrait in Rot. Fototransfer mit der Gelplatte.
Transfer mit Gelplatte und Acrylfarbe

Welche Malgründe sind geeignet?

Grundsätzlich sind alle Malgründe für den Fototransfer geeignet. Auf Papier kommen alle Techniken gut zur Geltung. Auf dem weißen Hintergrund sieht man sowohl schwarz-weiße als auch farbige Bilder gut. Es besteht allerdings die Gefahr, dass das Papier beim Befeuchten und Abrubbeln der Papierschicht des Fotos reißt. Deshalb ist es sinnvoll, nicht zu fest zu reiben, sondern einen Rest der dünnen Papierschicht mit Matte Medium zu überziehen. Ebenfalls kannst du ein Reißen verhindern, wenn du das Papier zunächst mit Gesso bestreichst. So dringt die Feuchtigkeit nicht so leicht ins Papier ein.

Leinwand ist ebenfalls gut geeignet. Sie reißt weniger leicht und nimmt die Farbe gut auf.

Malpappen sind stabil und reißen auch bei heftigen Abrubbeln nicht.

Auch auf Holz kommt der Fototransfer gut zur Geltung. Achte darauf, dass der Untergrund glatt ist. Für den Transfer auf ungeschliffenem Holz eignet sich der Transfer mit Acrylfarbe besser, weil die Farbe eine glatte Schicht bildet, wenn du sie dick aufträgst.

Fische auf einer Holzplatte. Fototransfer auf Holz.
Holz eignet sich hervorragend für die verschiedenen Transfertechniken

Der Transfer auf alte Buchseiten gelingt dann, wenn du die Textseiten als Untergrund nimmst. Bebilderte Seiten werden zunächst mit Gesso oder einer hellen Hintergrundfarbe vorbereitet.

Und wozu das Ganze

Natürlich könntest du die Fotos auch einfach auf dein Bild kleben. Das ist einfacher und die Fotos bleiben unverfälscht. 

Bringst du die Fotos per Transfer auf dein Bild, verändern sie sich. Sie werden zarter, unvollkommener oder wirken wie gemalt. Je nachdem bekommen sie eine Vintage-Charme oder wirken morbide (etwa wenn beim Abrubbeln leichte Risse entstehen und die Gestalten verändern).

Vor allem aber fügen sich die Fototransfere besser in dein Bild ein. Sie sind eben nicht aufgeklebt, sondern werden integriert. Dadurch lassen sie sich leicht gestalten und verändern. Du kannst sie wieder vollständig übermalen, wenn sie dir doch nicht gefallen.  Einige Bilder entwickeln sich auch und im Laufe der Zeit passt das ein oder andere Foto nicht mehr dazu.

Frauenportrait mit Wolf im Hintergrund. Fototransfer mit Photopotch.
Das Transferbild fügt sich harmonisch in das fertige Kunstwerk ein.

Die Fotos bekommen durch den Transfer einen ganz eigenen Charakter. So werden auch deine Kunstwerke unverwechselbar wie deine Persönlichkeit. Durch deine Bilder kannst du immer mehr Facetten deiner Person entdecken und ausdrücken. So kann deine Kreativität dir helfen, neue Wege zu gehen, denn…

Kreativität öffnet Räume.

© Marion

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