Bild in Gelb und Grün

Grün – Vom Wachsen und Werden

Die Farbe Grün: Eine Sehnsucht, die uns ins Herz gelegt ist

Die Sehnsucht nach der Farbe Grün wächst am Ende des Winters. Die Tage werden schon langsam länger. Die ersten Frühblüher erzählen vom nahenden Frühling und in uns wächst die Sehnsucht nach Sonne und Wärme. Die Tage des Winters waren trüb und dunkel. Vor allem, wenn kein Schnee gefallen ist, vermissen wir das Grün der Natur. Man muss im Februar schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen, dass die Knospen dicker geworden sind und die ersten grünen Spitzen aus dem Boden ragen. 

Viele Menschen werden von einer Winterdepression geplagt, die mit dem Lichtmangel einhergeht. In den anderen Jahreszeiten schwelg die Natur in Farben. Die Wintertage dagegen sind oft grau und nebelverhangen. Grasreste, Moose und immergrüne Pflanzen sind nur ein trüber Ersatz für die vielen Farbnuancen, die im Frühling unser Auge treffen. 

Grünes Blatt mit Regentropfen
Sehnsüchtig warten wir auf das erste Grün des Frühlings.

Das erste Grün war ein Hoffnungszeichen

In früheren Zeiten war es schwierig, im Winter nicht zu verhungern. Nahrung konnte nur schwer eingelagert werden. Importe aus warmen Ländern gab es noch nicht. So waren die ersten wilden Kräuter eine manchmal überlebenswichtige Nahrungsergänzung. Es ist eine über Generationen verfestigte Sehnsucht nach frischem Grün, die auch uns heute nicht unberührt lässt. Kein Wunder, dass Grün die Symbolfarbe der Hoffnung wurde.

Keine andere Farbe verbinden wir so mit der Natur wie Grün. Es ist die Farbe des Wachsens, der Erholung und des Ausgleiches. Dem Zauber eines Laubwaldes kann sich kaum jemand entziehen. Die frische, sauerstoffreiche Waldluft und die verschiedenen Grüntöne der Pflanzen berühren unser Herz. Das Geräusch von raschelndem Laub, wenn der Wind hindurchweht, lässt Spannungen verschwinden und bringen uns in einen „Entspannungs-Modus“. 

Grün ist die Farbe des Wachstums und der Entspannung

Vor allem helle Grüntöne wirken stärkend und erfrischend auf uns. Das ist so, weil wir das frische Grün nach dem Winter als besonders lebendig empfinden. 

Im Straßenverkehr und im Alltagsleben ist Grün die Farbe der Aktivität. Grüne Ampeln, Notausgangsschilder, Hinweispfeile und andere grüne Kennzeichnungen sind positive Signale. Sie zeigen, dass wir auf dem „richtigen Weg“ sind, die Tür öffnen oder die Straße überqueren dürfen.

Notausgangsschild
Im Alltag werden mit grünen Schildern positive Hinweise gegeben.

Dunklere Grüntöne haben einen ausgleichende Wirkung auf die Psyche. Räume, in denen grüne Töne vorherrschen, wirken beruhigend und wohltuend auf viele Menschen.

Schon Hildegard von Bingen schrieb der Farbe Grün eine heilende Wirkung zu. Das Blau des Himmel und der Transzendenz vermischt sich mit Gelb, der Farbe der Sonne und der Emotionen. Der biblische Erzengel Gabriel ist im Volksglauben der Engel der Heilung. Auf vielen Kunstwerken wird diese Engelsgestalt in Grüntönen gemalt, um die Symbolik zu verdeutlichen.

Im Mittelalter galt Grün als die Farbe der Minne. Möglicherweise ist das der Grund, warum die Kirche sie umgedeutet hat. Vielleicht war der Grund aber auch, dass viele damals aus Pflanzen herstellbare Gift grün waren, giftgrün eben. Die mittelalterlichen Priester verliehen dem Teufel ein grünes Cape. Böse Dämonen hatten grüne Augen und eine grüne Hautfarbe. Aus den Drachen der Sagen und Märchen wurden wilde, grünhäutige, bösartige Ungeheuer.

Im asiatischen Kulturraum dagegen gilt der Drache als Symbol der Weisheit und des Glücks. Im Islam ist Grün die Farbe des Propheten. Sie gilt als heilige, gesegnete Farbe, die der Prophet geliebt hat. Deshalb haben viele muslimische Länder die Farbe Grün in ihren Flaggen.

Grün – Farbe der Fülle

Der neueste Zuwachs in unserem Bücherregal ist „Colorama – Das Buch der Farben“ von Cruschiform (Prestel-Verlag München, London, NewYork 2017). In diesem außergewöhnlich und liebevoll illustrierten Buch werden die verschiedenen Farbtöne beschrieben und mit den Farben, den Illustrationen und Beschreibungen werden ganze Geschichten erzählt. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele verschiedene Grüntöne gibt.

Glühwürmchengrün

In einer lauen Sommernacht am Feuer sitzen und Glühwürmchen beobachten. – Gibt es eine schönere Assoziation für ein helles Gelbgrün? Je nach Außenlicht wird uns das Leuchten des kleinen Tieres gelb oder grün erscheinen. Eine lichtvolle „Zwischenfarbe“ ist es, die den Farbreigen eröffnet.

Journal Page mit grüner Mauer und Schnecke
Helle Grüntöne wirken leicht und verspielt.

Das Grün der Kiwi

Kiwi: Ein Wort reicht tatsächlich, um dieses Grün zu beschreiben. Nahrung und Genuss gehören zum Wohlfühlen dazu. Deshalb löst auch dieser Farbton eine Menge positiver Gefühle in uns aus (zumindest, solange wir nicht allergisch gegen die köstlichen Früchte sind).

Stinkwanzengrün

Die leuchtend grünen Tierchen, die bestialisch stinken können, wenn sie sich angegriffen fühlen, lassen die Ambivalenz der Farbe Grün deutlich werden. In bestimmten Zusammenhängen wird das Grün unangenehm und weckt dunkle Erinnerungen. So hübsch die Wanzen sind: Wenn sie gestört werden, schalten sie auf Verteidigung um. Der Gestank kann uns die Freude am leuchtenden Grün ganz schön vermiesen.

„Du bist ja ganz grün im Gesicht“

Zornesgrün oder Giftgrün: Wenn wir sehr zornig sind, wird vermehrt Gallenflüssigkeit ausgeschüttet, die unsere Haut grünlich erscheinen lässt. „Grün im Gesicht“ werden wir aber auch, wenn uns sehr übel ist, z.B. bei einer leichten Lebensmittelvergiftung. Grün kann zu einem sehr aggressiven Farbton werden, der einen scharfen Kontrapunkt in ein ansonsten leichtes, in zarten Farben gehaltenes Bild setzt.

„Ich glaub, ich steh im Wald“

Chlorophyll: Dies ist die Farbe des Wachsens par exellence. Das kräftige, lebendige Grün der Pflanzen ist das bei der Photosynthese benötigte Chlorophyll. Diesen Farbton verbinden wir fast automatisch mit erfrischender, sauerstoffreicher Waldluft.

Wald im Regen
Chlorophyll schenkt uns eine Fülle von Grüntönen

Farbe der Ruhe

Flaschengrün: Dieses Grün ist schon recht dunkel und ihm sind schon einige Brauntöne zugemischt. Trotzdem assoziieren wir mit ihm gemütliche Abende am Kamin oder den Genuss eines Rotweins zu einem guten Essen. Es ist ein dunkler, beruhigender Farbton, der Bildern eine harmonische, ausgleichende Stimmung verleiht.

Grün ist auch eine Siegerfarbe

British racing green: Das Grün der britischen Rennautos ist ein sattes, dunkles, fast schlammfarbenes Gemisch von Grün und Braun. Genau genommen ist es natürlich eine Mischung von Blau, Gelb und Braun. Es wirkt duster und hat eine starke Präsenz. Vorm zarten Gelbgrün des Glühwürmchens ist es  weit entfernt. Fans der britischen Rennfahrer werden aber mit dieser Farbe das Vergnügen vieler gewonnener Autorennen assoziieren.

Blaue Zeder – Farbe des Friedens

Das Blaugrün der Zedern lässt unsere Sinne aufleben. Die Zeder mit ihrem angenehmen, würzigen Duft ist ein Symbol des Friedens und der Verständigung. So ist der Farbton entspannend und harmonisierend.

Jäger-Grün für Fans

Lincoln-Grün: Der kräftige Grünton ist eine Entwicklung der englischen Stoffmanufakturen und wird in der traditionellen Jäger-Bekleidung verwendet.  Der Farbton wird unterschiedliche Assoziationen wecken, je nach dem,  wie zugetan man der Jagd ist. 

Auch beim Umgang mit Farben ist Vorsicht geboten.

Arsen oder Schweinfurter Grün: Mit dieser giftigen Farbe wurden in Paris die Ratten vergiftet. Maler verwendeten sie trotzdem für ihre Gemälde (Monet und Van Gogh zum Beispiel) und vergifteten sich schleichend. Heute ist der Farbton ungiftig, wirkt aber kränklich/giftig. 

Weinendes Monster in Grün.
Auch negative Gefühle können mit der Farbe Grün ausgedrückt werden.

Die Farbe fürs Kopfkino

Meergrün: Die blaugrüne Farbe mit grauer Beimengung des Lavendel erinnert an den südlichen Sommer und wird deshalb als besonders freundlich und sanft empfunden. Beim Betrachten meergrüner Farbflächen, beginnt unsere Phantasie zu reisen. Vor unserem inneren Auge erscheinen Meer, Dünen und vielleicht die ausgedehnten Lavendelfelder der Provence. Meergrün ist die Wohlfühlfarbe schlechthin.

Voll im Trend: Grün für die Vintageoptik

Flechten: Flechten, die im Winter an alten Bäumen besonders gut zu betrachten sind, haben eine grau-grüne Farbe. Der Farbton wirkt antik und eignet sich dazu, deinem Kunstwerk ein Vintage- oder Landhausimage zu geben.

Nur ein feiner Unterschied zwischen Glück und Gift

Seladon oder Jade-Grün: Das zarte Grau-Grün ist ein Farbton, der in Japan und China gern und häufig verwendet wird. Die heilsame Kraft der Jade bringt angeblich Glück und verleiht Gemälden eine freundliche Stimmung.

Grünspan: Ist Kupfer eine Weile der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, bildet sich Grünspan. Er war in der Renaissance ein beliebter Farbstoff. Früher wurde mit ihm etwas Altes, Ehrwürdiges verbunden. Heute weiß man, dass Grünspan giftig ist. Dadurch hat sein positives Image etwas gelitten.

Grün für deine Kunst

Es lohnt sich, mit der Farbe ein wenig zu experimentieren, bevor du sie gezielt einsetzt. Nutze die Grüntöne, die du hast und male Flächen aus. Lass die Farben ineinander laufen. Andere Flächen grenze mit einer schwarzen Linie gegeneinander ab. Lass dich auf das Farbenspiel ein und versuche herauszufinden, wie die verschiedenen Gründtöne auf dich wirken. Welcher spricht dich an? Welchen findest du langweilig? Welcher wirkt abstoßend oder wie ein stummer Vorwurf? 

Leinwand mit verschiedenen Grüntönen und Pinsel
Die Wirkung der verschiedenen Grüntöne kann sehr unterschiedlich sein.

Wenn ihr zu mehreren malt, lohnt es sich, einmal zu vergleichen, wie die verschiedenen Grüntöne auf verschiedene Menschen wirken. 

Mische verschieden Grundtöne aus Blau, Gelb und Grau. Dabei spielt es keine Rolle, ob du einen klassifizierten Grünton herstellst. Wichtig bei der Herstellung deiner Farbmischungen ist nur, wie sie dir gefallen. Überlege, was du ausdrücken willst und mische deine Farbe entsprechend. 

Lass dich von deinem Gefühl leiten und entscheide intuitiv, welchen Farbton du verwenden willst.

Spielereien für Experimentierfreudige

Gehe in die Natur und betrachte und/oder fotografiere unterschiedliche Pflanzen. Übe dich im achtsamen Sehen und schau dir die Pflanzen oder deren Fotos genau an. Wie viele verschiedene Grüntöne kannst du wahrnehmen? Wo zeichnen sich Schatten ab und wo Lichtreflexe? Welche Nuancen kannst du sehen? Wie kannst du sie zu Papier bringen? Wie viele Grüntöne musst du verwenden, damit deine gemalte Pflanze lebendig wirkt?

Bild mit Grüntönen und Farbspritzern
Beim Intuitiven Malen drückst du mit Farben deine Gefühle aus.

Spielerisch mit der Farbe umgehen, macht besonders viel Spaß. Tauche deinen Pinsel oder deine Hände in verschiedene Grüntöne und hinterlasse mit ihnen Spuren auf deinem Papier. Probiere aus, ob dir große Flächen Spaß machen, kleine Muster oder komplizierte Figuren. Welche Farbe möchte sich dazugesellen? Teste verschiedene Farben und lass harmonische oder energiegeladene Bilder entstehen. Ist Grün heute überhaupt deine Farbe? Spricht dich eine andere mehr an? Dann übermale die grünen Flächen und lass neue Farbwelten entstehen. Es ist dein Bild, es gibt keine Regel und keine Grenzen, außer es sind deine eigenen. Folge deiner ganz eigenen Kraft und Phantasie, denn….

Kreativität öffnet Räume!

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