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Hände, die einen Stempel schnizten

Stempel schnitzen für Mixed Media Art

Stempel schnitzen macht in jedem Alter Spaß

Auf die Idee, Stempel für meine Mixed Media Bilder selbst zu schnitzen, wäre ich erstmal nicht gekommen. „Stempel? Das ist doch was für Kinder oder allenfalls für die Büroarbeit“, dachte ich. Ich kannte Belohnungsstempel für Grundschüler, Klassenspiegelstempel aus meiner eigenen Schulzeit, als es noch kaum Computer gab oder Bürostempel. Stempel als Grundlage und Sahnehäubchen für die unterschiedlichsten Dekoprojekte lernte ich erst vor einigen Jahren kennen. Meine Kinder bedruckten im Kindergarten Stofftaschen mit Kartoffelstempeln , die die Erzieherinnen geschnitzt hatten. Die Taschen hatten einen wundervollen Selfemade-Charme und die Kinder sind geplatzt vor Stolz.

Wie das so geht, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt: Plötzlich sah ich überall bedruckte Karten, Taschen, Regenschirme und vieles mehr. Ich wurde neugierig….

Mit selbst geschnitzten Stempeln individuelle Kunstwerke gestalten

Dinge selbst zu „verschönern“ gelingt mit Stempeln leicht und unaufwändig. So musst du nicht jede Postkarte einzeln bemalen. Mit unterschiedlichen Stempeln kannst du in kurzer Zeit abwechslungsreiche Karten in größerer Zahl anfertigen. Notizzettel oder Briefumschläge bekommen mit einem gestempelten Emoji eine besondere Note.

Allerdings sind Stempel, die sich für Erwachsenen eignen, nur schwer zu finden. Niedliche Tierchen, Blümchen etc. bekommt man im Schreibwarenhandel, in Bastel- oder Spielwarengeschäften. Aber filigrane, schlichte oder moderne Stempelmotive sind meistens Zufallsentdeckungen.

Eine echte Fundgrube für DIY-Stempel-Fans ist Heindesign, dort gibt es alles rund ums Stempeln, was das Herz begehrt, und jede Menge tolle Anregungen und Anleitungen dazu!

Viel Spaß macht es aber, außergewöhnliche Stempel selbst zu gestalten und zu schnitzen.

Gestempeltes Papier in Pink und Blau
Interessante Papiere gestaltest du mit zwei verschiedenen Stempeln und Farben.

Das Material

Mit den richtigen Materialien, etwas Geschick und dem Kopf voller Ideen, ist es gar nicht so schwer, selbst Stempel herzustellen.

Als Einsteiger brauchst du folgende Materielien:

  • Gummiplatten, in du die Stempel schnitzt. Geeignet sind zum Beispiel Essdee- Mastercut- Scheiben oder Factis Venyl-Printblocks, die es in verschiedenen Stärken und Härtegraden gibt. Für den Stoffdruck eignen sich dünnere, weichere Platten, weil die Motive einfacher und großflächiger sind. Härtere Gummiplatten brauchst du für filigranere Motive, damit diese nicht „ausfransen“, sondern klarer und besser erkennbar werden. Erste Versuche und kleine Stempel kannst du auch aus einem alten Radiergummi schnitzen.
  • Linolbesteck, mit dem du die Gummiplatten schnitzen kannst. Ein dünnes, spitzes V-Messer und zwei verschieden große U-Messer brauchst du auf jeden Fall.
  • Ein Skalpell oder einen stärkeren Cutter, um die fertigen Stempel auszuschneiden.
  • Ein Lineal aus Metall, mit dem du gerade Linien schneiden kannst. Gut wäre ein Lineal mit einer Stahlkante. Aluminium ist zu leicht. Mit dem Schnitzmesser oder einem Cutter schneidest du leicht Kerben hinein.
  • Eine feste Schneideunterlage, um den Tisch nicht zu zerkratzen. Solche Unterlagen kann man in Geschäften für Künstlerbedarf kaufen. Nicht ganz so komfortabel, aber genauso wirkungsvoll sind alte Zeitschriften oder Kataloge zum Unterlegen.
Werkzeug
Zum Stempelschnitzen benötigst du gutes Werkzeug.

Stempelkissen

Die Auswahl der Stempelkissen ist davon abhängig, worauf du deine Stempel drucken willst. Es gibt eine große Auswahl verschiedener Stempelfarben:

  • Tusche-Stempelkissen mit einer dünnflüssigen Tinte auf Wasserbasis nimmst du für das Stempeln auf Papier. Die Farbe ist nicht deckend, dadurch sehen die Stempel etwas durchscheinend und leicht aus. Farbnuancen und angedeutete Motive entstehen, wenn du mit dieser Tinte stempelst.
  • Wasserfeste Stempelkissen eignen sich besonders gut für Papier, das ruhig etwas dicker und saugender sein kann. Die Stempel kannst du nach dem Trocknen mit Aquarellfarben kolorieren.
  • Kreide-Stempelkissen nehmen wir für Papier und glatte Hintergründe, wie Glas, Kunststoff oder auch Glanzpapier. Besonders auf dunklem Hintergrund kannst du mit den Kreidestempelfarben tolle Effekte erzielen.
  • Permanent-Stempelkissen eignen sich ebenfalls für glatte, nicht saugende Flächen. Auch lackierte Holzflächen kannst du damit gut bedrucken.
  • Pigment-Stempelkissen mit einer dickflüssigen, ölhaltigen Farbe finden auf allen saugenden Flächen Verwendung. Papier, Karton oder auch Stoff  kannst du damit sehr prägnant und kräftig bedrucken.
  • Fixierbare Stempelfarbe kannst du direkt auf Stoff auftragen und dann mit dem Bügeleisen fixieren.
  • Acryl- und Stoffmalfarben können auch direkt mit einem Pinsel oder einer kleinen Rolle aufgetragen werden. Die Stempelabdrücke sehen dann etwas anders aus, weil du eine dickere Schicht Farbe aufträgst, als mit einem Stempelkissen.
  • Auch mit Gelatos von Faber Castell kannst du stempeln. Feuchte den Stempel an und bemale ihn mit deinen Lieblingsfarben. Die Stempel bekommen mit den Wasser vermalbaren Kreiden ein zartes Aquarellimage.

Jetzt wird es kreativ

Wenn alles Material bereit steht, kann die Arbeit beginnen. Auch wenn das Schnitzen der Gummiplatten nicht sehr kompliziert ist, lohnt es sich für Anfänger, einige Übungseinheiten vorwegzunehmen. Die Übungsergebnisse kannst du, nahezu unabhängig vom Ergebnis der Versuche, gut als Stempel für Hintergründe verwenden. Muster im Hintergrund, mit einer dünnen, durchscheinenden Stempelfarbe aufgetragen, machen dein Kunstwerk lebendig und bringen stärkere, später aufgedruckte Stempel besonders gut zur Geltung.

Folgende Übungen erleichtern dir das spätere Schnitzen „ins Reine“:

  • gerade Linien (mit Lineal)
  • Wellenlinien
  • Spiralen (mit einer kleinen, schmalen V-Klinge)
  • gezackte Linien
  • Punkte und Kreise (die Platte einmal um sich selbst drehen, mit einer dünnen V-Klinge werden kleine, mit einer breiteren U-Klinge fette Kreise geschnitten)

Stempel Diy: Gewusst wie …

Gehalten wird das Schnitzwerkzeug ähnlich wie ein Bleistift, nur etwas steiler, damit du die Kraft, die du auf das Werkzeug ausübst, besser dosieren kannst. Wenn du auf Papier schreibst, hälst du das Blatt meistens am oberen oder seitlichen Rand fest, damit es nicht verrutscht. Beim Schnitzen solltest du die Platte hinter dem Schnitzeisen anfassen, damit du vorwärts arbeiten kannst, ohne dich in die Hand zu schneiden, wenn du einmal wegrutschst.

Die Werkzeuge sind so gefertigt, dass sie vorne dünner schneiden und aufsteigend breiter werden. Dein Strich wird also umso breiter, je tiefer du in die Platte schneidest.

Beim Schnitzen von Kurven und Kreisen empfiehlt es sich, die Gummiplatte und nicht das Schnitzeisen zu drehen. So wird der Strich glatter und störungsfreier.

Hand mit Schnitzmesser
Das Schnitzmesser wir ähnlich wie ein Bleistift gehalten.

Motive auf das Stempelgummi übertragen

Das Übertragen der Motive ist einfach. Du legst ein Pergamentpapier auf das Motiv  und paust dieses mit einem breiten Graphitstift (Bleistift) ab. Das Papier legst mit der beschriebenen Seite nach unten auf die Gummiplatte. Mit einer kleinen, festen Rolle oder einem Stift reibst oder rollst du nun kräftig über das Pergament. Das Graphit haftet auf der Gummimatte und du kannst das Motiv dann nachzeichnen und schnitzen.

Pauspapier und Stempelgummi.
Mit Pauspapier wird das Motiv auf das Stempelgummi übertragen

Auf weicheren Gummiplatten können Bleistiftzeichnungen, Inkjet- oder Laserdrucke und Zeitungsausschnitte auch mit einem Bügeleisen bei mittlerer Hitze aufgebügelt werden.

Achtung: Spiegelverkehrt!

Etwas schwieriger ist es, Freihandmotive auf die Platte zu zeichnen. Dabei musst du beachten, dass das Motiv spiegelverkehrt aufgetragen wird (bei den eben beschriebenen Methoden ergibt sich das ganz von selbst). Deine Motive erscheinen sonst spiegelverkehrt auf deinem Druck, was vor allem Buchstaben und Zahlen fast unlesbar macht.

Die einzelnen Arbeitsschritte, wenn du beginnst, deinen Stempel zu schnitzen

  • Übertrage das Motiv auf die Stempelplatte.
  • Beginne mit der Außenkante deines Motive. Nutze dafür eine feine Klinge und versuche, möglichst wenig abzusetzen.
  • Arbeite dann die Details im Innenraum heraus.
  • Die Linien erweiterst du nun mit einer feinen U-Klinge etwas. Dabei kannst du noch kleinere Unebenheiten und „Wackler“ beseitigen.
  • Mit einer U-Klinge schneidest du die größeren Flächen weg.
  • Zum Schluss schneidest du deinen Stempel mit einem Skalpell aus.
Hände mit Skalpell
Am Schluss schneidest du das Motiv deines Stempels mit einem Skalpell aus.

To do´s beim Stempel schnitzen

Grundsätzlich gilt, das Schneidewerkzeug gleichmäßig auf die Platte zu drücken.

Alles, was stehen bleibt, ergibt das Stempelmotiv. Das erfordert etwas Umzudenken.

Bei Bedarf kannst du deinen Stempel auch mit einem Griff versehen. Das ermöglicht einen gleichmäßigeren, genaueren Druck. Dazu kannst du deinen Gummistempel mit doppelseitigem Klebeband und Kraftkleber auf ein Holzstück oder einen Kunststoffwürfel kleben. Es empfiehlt sich, vor dem Kleben einen Stempel auf die Oberseite des Griffes zu drucken, damit du die Stempel schnell wiedergefindest und richtig herum drucken kannst. Es gibt selbsthaftende Gummischeiben, die an Kunststoffwürfeln halten und einfach ausgetauscht werden können. So brauchst du nur einen einzigen Griff für die jeweilige Größe.

Du kannst die Stempel aber auch ohne Griff verwenden. Die Umrisse erkennst du dann genauerund die Aufbewahrung ist einfacher.

Eingefärbter Stempel
Der Stempel kann gut ohne Griff verwendet werden.

Nach dem Drucken musst du die Stempel unbedingt gut gereinigen, sonst verstopft alte Farbe die Rillen. Gummiplatten reinigst einfach unter fließendem Wasser. Stempel mit Griffen kannst du mit Stempelreiniger oder mit feuchten Reinigungstüchern für Babys säubern.

Stempel ist nicht gleich Stempel

Es gibt verschiedene Arten von Stempeln:

  • Positivstempel – Hier schneidest du alles weg, was nicht zum Motiv gehört.
  • Negativstempel – Die Fläche lässt du stehen und schneidest das Motiv heraus.
  • Linienstempel – Das Motiv lässt du als dünne Linie stehen, eine Technik für Fortgeschrittene.
  • Einzelteilstempel – Das Motiv setzt du aus Einzelteilen zusammen, das ermöglicht einen mehrfarbigen Druck.
  • mehrlagige Stempel – Ein kleineres Motiv wird auf das größere aufgedruckt.

Motive, Motive, Motive

Den Künstler und das spielende Kind in dir entdecken

Wie immer stellt sich die Frage, wie du an deine Motive kommst. Die einfachste Variante ist, in Zeitschriften und im Internet nach Motiven zu suchen. Fotos mit nicht zu vielen Einzelheiten und Malvorlagen eignen sich gut zum Schnitzen.

Vergnüglich ist die Variante, vor Beginn der Arbeit eine „Fotosafari“ zu machen und witzige, auffällige oder ganz zarte Motive zu fotografieren. Die Fotos können dabei helfen, dass dein Stempel (sofern du konkrete Motive verwenden willst) die richtigen Proportionen und Schwerpunkte hat.

Ein einfaches Motiv, dass du irgendwo entdeckt hast, kannst du mit einfachen Mitteln zu einem witzigen Hingucker machen. So hat Christine ihren Frosch auf ein Seerosenblatt gesetzt und mit einer goldenen Kugel und einer Krone versehen – geboren war ein recht schräger Froschkönig.

Froschstempel
Christine hat einen Froschkönig geschnitzt.

Nimm ein weißes Blatt und spiele zunächst einmal mit Stift oder Pinsel herum, um daraus später ein Stempelmotiv zu entwickeln. Das ist eine gute Methode, wenn du individuelle Kunstwerke gestalten willst.

Grenzenlos …

Motiv und Art deiner Stempel sind vor allem davon abhängig, wozu du sie brauchst. Bei der Verwendung der Stempel sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt:

  • Stofftaschen, T-Shirts, E-Reader-Hüllen, Sportbeutel…
  • Einladungskarten, Postkarten, Briefpapier (wann hast du das letzte Mal ganz altmodisch mit der Hand geschrieben und den Brief oder der Karte per Post verschickt?)
  • Tagebücher, Journaling-Hefte
  • Heftumschläge, Anhänger, ExLibris
  • Lesezeichen
  • Holzkästchen
  • alle Arten von Schachteln und Aufbewahrungsboxen

Sicher sind dir beim Durchlesen noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten eingefallen. Wir verwenden die Stempel übrigens vor allem für Postkarten, Drucke, Notizbücher, Mixed-Media-Kunstwerke und zum Journaling.

Da wir gerne und mit Begeisterung spielerisch an Techniken herangehen, haben uns die Vorschläge von Mareike Grün (Stempeln! Freiburg 2015, S. 76 – 79), ohne Schnitzen und Stempel zu drucken, besonders gefallen. Sie empfiehlt, mit allen möglichen Dingen aus dem Haushalt zu drucken: Spitzenornamente, Zwirnsterne, Luftpolsterfolie, Silikon-Topflappen, gestrickte Socken, Gummibänder, Schaumstoff, Korken und Dichtungsringe. Aus Moosgummiplatten lassen sich gut Motive mit der Schere ausschneiden, eine Technik, die sich auch für Kinder geeignet.

Auch aus Linolplatten kannst sich Stempel schnitzen. Sie sind härter und du kannst sehr filigran arbeiten , erfordern aber eine größere Kraft in der Hand.

Neugierig geworden?

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In unseren Kursen kannst du dich mit professionellem Werkzeug in unserem hellen, freundlichen Atelier mitten im Odenwald, nach Herzenslust austoben, denn…

… Kreativität öffnet Räume.

© Marion

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