Postkarte mit Mädchen und Uhr

Postkarten selbst gestalten


Postkarten – Schnee von gestern?

Zugegeben, es hat was Nostalgisches, Postkarten zu verschicken. In Zeiten des Internets, in denen fast jeder ein Smartphone besitzt, ist die Post auf dem absteigenden Ast. 

Eine Story in Instagram oder ein Post auf Facebook erreichen auch die Follower, mit denen wir privat wenig zu tun haben. So können alle auf dem Laufenden bleiben, die sich mit uns verbunden fühlen.

Wir machen ein paar Urlaubsfotos mit dem Handy und versenden sie gleich an die Daheimgebliebenen. Über WhatsApp, Threema und co können wir in Sekundenschnelle nette Grüße in alle Welt verschicken. Heutzutage ist es leicht geworden, einen Kontakt aufrecht zu erhalten und kurz zwischendurch ein Lebenszeichen zu versenden. 

Auch ich möchte diese unkomplizierte Möglichkeit der Kontaktaufnahme nicht missen. Wie schön ist es, in wenigen Minuten zu erfahren, wie es unseren Lieben geht. 

Und doch: Den Briefkasten zu öffnen und eine kitschige, witzige oder ausgefallen schöne Karte von einer lieben Freundin zu finden, ist ein besonderer Moment. 

Es gibt kaum eine Buchhandlung ohne Postkartenständer. Kein Geschenkeladen, kein Kaufhaus und kaum ein Blumenladen kann es sich leisten, auf Postkarten zu verzichten. 

Eine Auswahl an Postkarten auf einem Tisch.
Postkarten eignen sich für ganz besondere Grüße

Auch heute noch gibt es Anlässe, zu denen wir gerne Karten schicken: Hochzeiten, Beerdigungen, Taufen, Konfirmationen, Beschneidungen… Immer dann, wenn es um entscheidende Lebensschritte geht, greifen wir gerne auf handgeschriebene Karten zurück. Es scheint, dass ein Smartphone eben doch eine größere Distanz schafft, als eine Karte (oder ein Brief). Mit den Nachrichten, die mit der vergleichsweise langsamen Post verschickt werden, fühlen wir uns irgendwie „näher dran“. Ein Paradoxon unser technologiegläubigen  Zeit.

Karten sind mehr als Grüße auf dem Postweg

Karten sind weniger flüchtig, als WhatsApp – Nachrichten. Wir können sie in die Hand nehmen, immer wieder lesen oder aufheben. Welche Karten hebst du auf? Ich behalte die, die von besonders lieben Menschen kommen. Dabei ist es nahezu egal, was darauf steht oder was für eine Karte es ist. Darüberhinaus behalte ich die, auf denen besonders nette Worte an mich gerichtet sind. Karten, die einen tollen Text oder ein außergewöhnliches Bild auf der Vorderseite haben, finden ihren Weg in einen Kartenhalter. 

Von Trauernden weiß ich, dass sie in unterschiedlichen Abständen die Karten immer wieder hervorholen, um die Verbundenheit mit den Verstorbenen und mit den Trauernden zu spüren. In manch einer einsamen Stunde trösten die Worte der Zuwendung. 

Eine Karte kann aber auch zur Deco in einen Kartenhalter gesteckt oder an die Pinnwand gepinnt werden. 

Wir stecken Karten zu Geschenken, die wir überreichen, damit diese eine persönliche Note bekommen. 

Drei Karten mit Sprüchen
Karten mit Sprüchen werden gerne gekauft.

Vor allem Karten mit Sprüchen dienen auch als Inspirationskarten. Manche stecken sie an den Spiegel, befestigen sie mit Magneten an den Kühlschrank oder stellen sie ins Regal, damit sie ein Anker werden. Ein kleines Symbol für sie,  das sie daran erinnert, was ihnen wichtig ist, oder sie einfach nur zum Lächeln bringt. Bei uns kommen solche Karten auf das Klavier oder auf die Schreibtische. „Sei Pipi. Nicht Annika.“ „Was, wenn es doch möglich wäre?“ „Es gibt kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern.“ An solchen und ähnlichen Sätzen bleiben unsere Augen immer wieder hängen.

Karten selbst gestalten? – Wozu?

Trotz der Fülle an schönen Karten, die es zu kaufen gibt, gestalten wir unsere Karten gern selbst. So ein individueller Gruß ist etwas ganz Besonderes. Ich zeige der, die sie bekommt, damit, dass ich sie schätze und dass ich ihr eine Freude machen möchte.

Karte mit Uhr, Feder und Hirschkäfern.
Es macht Spaß, Karten selbst zu gestalten.

Karten gestalten kannst du auch. Es macht Spaß und ist nicht schwierig. Durch das kleine Format schaut dich keine große, weiße Leinwand an, die es zu füllen gilt. Es braucht in der Regel nur eine kurze Zeit, bis so eine Karte fertig ist. Wenn mal eine nicht gelingt, tut es nicht weh, sie wegzuwerfen und eine neue zu beginnen. Durch Hilfsmittel wie Schablonen, Stempel, Fototransfer oder Embossing gelingt es auch Einsteigern leicht, schöne Ergebnisse zu erzielen, die sie gerne weiter schenken. 

Wie viel größer ist die Wirkung einer Affirmation, wenn wir sie selbst auf eine Karte schreiben oder stempeln und liebevoll gestalten. 

Es gibt verschiedene einfache Techniken, Karten herzustellen:

Die Grundlage

„Kartenrohlinge“ gibt es zu kaufen. Du findest von einfachen Postkarten über Doppelkarten mit Umschlägen und außergewöhnliche Formate alles im Internet. Auch in kleinen Mengen gibt es bezahlbare Angebote.

Es ist aber auch kein Hexenwerk, mit einem Schneidegerät oder einer ruhigen Hand aus Tonkarton selbst Karten auszuschneiden. Für die Karten selbst ist Tonkarton von mindestens 300mg/m2 geeignet. Für Briefumschläge langt Tonpapier von 130mg – 220 mg/m2. Es gibt Faltschablonen, mit deren Hilfe du Briefumschläge gut selbst falten kannst. Für das Herstellen von eigenen Karten ist auch die Anschaffung eines Falzbeines zu empfehlen. Karten, die mit einem Falzbein gefaltet wurden, wirken professioneller.

Auf die Stempel! Fertig! Los!

Die einfachste Variante, schöne Karten zu gestalten, ist die Verwendung von Stempeln. Du kannst mit Buntstiften oder Tombos (Das sind wasserbasierte Filzstifte mit zwei verschiedenen Spitzen) einen Hintergrund gestalten und auf diesen verschiedene Stempel aufbringen. Auf der Suche nach außergewöhnlichen Stempeln für Erwachsene sind wir auf die Firma Heindesign gestoßen. Auf deren Website gibt es auch immer wieder schöne Anregungen zum Karten gestalten.

https://www.heindesign.de

Stempelkissen und Stempel
Stempel schnitzen ist kein Hexenwerk.

Viel Spaß macht es auch, Stempel selbst zu schnitzen. Mit Stempelgummi und Linolbesteck geht das ganz einfach. Eine Anleitung und viele Tipps dazu findest du in unserem Blogbeitrag:

Auf bunten Hintergründen eignet sich eher die schwarze Stempelfarbe, auf hellen tun bunte Stempelfarben gute Dienste.

Mit Acryl- oder Guachefarbe kannst du die Stempel auch verwenden, besonders, wenn du eine Gelplatte hast, die du als „Stempelkissen“ verwenden kannst. Achte aber darauf, dass die Stempel dann sehr schnell unter fließendem Wasser gereinigt werden müssen, damit die Farbe nicht eintrocknet und den Stempel ruiniert.

Gelatos oder andere Aquarellkreiden eignen sich ebenfalls zum Gestalten von Karten und Hintergründen. Mit Gelatos kannst du auch gut stempeln. Dazu befeuchtest du den Stempel zunächst und trägst dann recht kräftige Farbschichten auf. Die Stempelbilder haben dann einen leichten Aquarelleffekt. 

Damit die Karte nicht abfärbt, bestreiche sie mit Firnis oder Matte Medium, bevor du sie verschickst.

Postkarten mit Froschmotiven.
Gestempelte Postkarten sehen toll aus.

Auf in die nächste Dimension

Edle Karten kannst aus dunklem Tonpapier, Pergamentpapier, einem Stempel und einer Art Pappmaché gestalten. Dazu bemalst du zunächst den Stempel mit Acrylfarbe. Danach legst du ein Stück Toilettenpapier darauf und bemalst es wieder mit Acrylfarbe. Evt. musst du das Papier mit wenig Wasser befeuchten, damit es beim Bemalen nicht reißt. Wiederhole den Vorgang fünfmal. Dann löst du das Element vom Stempel. Reinige den Stempel sofort, damit die Farbe nicht antrocknet. Das ruiniert den Stempel. Das gut getrocknete Element wir ausgeschnitten. Tolle Effekte lassen sich erzielen, wenn du die hervorstehenden Linien leicht mit Goldfarbe bestreichst. 

Auf eine dunklen Karte klebst du ein Stück Pergamentpapier und darauf dein Element. 

Postkarte mit Ahornblatt
Dreidimensionale Papierelemente wirken auf der Postkarte besonders edel.

Echte Hilfen: Schablonen

Die Techniken aus der Mixed Media Art eignen sich gut zum Gestalten von Karten. Willst du mit Schablonen Elemente oder Bilder aufbringen, eignen sich sich Sprühtinte oder Aquarellfarbe nicht so gut. Beide sind zu Wasserhaltig und lassen deine Karte aufquellen. 

Du kannst die Schablone auflegen und vorsichtig mit einem Schwämmchen oder einem dicken Pinsel die Acrylfarbe in die Lücken tupfen. Verstreichst du die Farbe, verläuft sie gerne unter der Schablone. 

Ganz einfach kannst du die Schablone mit Buntstiften „ausmalen“. Damit bleiben die Formen klar und prägnant. 

Ebenfalls gut geeignet ist Stempelfarbe. Mit einem kleineren Stempelkissen tupfst du vorsichtig über die aufgelegte Schablone. Die Stempelfarbe verläuft nicht und dein Motiv erscheint mit einem guten Kontrast.

Fototransfer für Vintagefans

Ein außergewöhnliches Gestaltungselement ist der Fototransfer. Hierfür schneidest du ein Foto aus einer Zeitschrift oder ein eigenes Foto aus und bestreichst es mit Photopoch. Auch die Karte bestreichst du mit Photopoch. Lege die bestrichenen Seiten aufeinander. Achte darauf, dass sich das Foto gut mit dem Untergrund verbindet. Das erreichst du durch festes Streichen über die Rückseite des Fotos. Wenn alles gut getrocknet ist (am besten über Nacht), befeuchtest du diese Rückseite und rubbelst mit dem Finger die Papierschicht ab.

Das Foto ist auf der Karte gut zu erkennen. Durch das Abrubbeln und die Feuchtigkeit bleibt es aber nicht klar und kontrastreich. Kleine Farbstücke lösen sich und die Ränder verschwimmen etwas. Dadurch wirken die transferierten Bilder wie aus einer anderen Zeit. Verstärken kannst du diesen Effekt noch, wenn du das Foto mit Matte Medium bestreichst, dass du mit ganz wenig gelber oder brauner Farbe eingefärbt hast.

Auch mit weißer Acrylfarbe oder Matte Medium kannst du Fotos transferieren. Die verschieden Fototransfertechniken kannst du in unserem Blogbeitrag dazu nachlesen;

Handlettering? Ja, gerne.

Mit einer Bandzugfeder oder einem Brushpen (Das ist ein Pinselstift.) kannst du einen ausgewählten Spruch einfach auf deine Karte schreiben. Auf einem farbigen Element wirkt die schwarze Schrift besonders gut. Mit einem flächigen Stempel bringst du helle Stempelfarbe auf deine Karte auf. Es gibt einfache quadratische Stempel. Du kannst auch ein Stückchen Stempelgummi in der richtigen Größe zurechtschneiden. Ist die Farbe gut getrocknet, schreibst du dein Lettering darauf.

Postkarte mit Handlettering: Danke
Ein kleines Handlettering auf einem Aquarellhintergrund

Eindrucksvolle Karten entstehen auch, wenn du mit einem weißen oder goldenen Lackstift auf dunkles Tonpapier schreibst.

Mit der Kombination von ausgeschnittenen grafischen Elementen aus Tonpapier und einem schönen Handlettering erzielst du spannende Ergebnisse.

Spruchpostkarte: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Konfuzius
Handletterings mit unterschiedlichen Schriftarten wirken besonders lebendig.

Für Prinzessinnen: Embossing

Embossing ist eine Technik, mit der du einzelne Elemente hervorheben kannst. Das Pulver, das es in vielen verschiednen Farben gibt, wird aufgetragen und angeschmolzen. Dadurch erheben sich die entsprechenden Elemente über dem Rest der Karte. 

Embossingpulver und Stempelkissen
Embossingpulver und Stempelkissen

Für diese Technik brauchst du ein Embossing- Stempelkissen. Du drückst einen Stempel in die Embossingfarbe und stempelst auf deine Karte. Anschließend bestreust du die Karte mit dem Embossingpulver. Achte darauf, dass die Embossingfarbe noch nicht getrocknet ist, sonst hält das Pulver nicht. Mit einem Heißluftgerät wird das Pulver angeschmolzen. Ein einfacher Föhn wird nicht heiß genug. 

Mit Embossing bekommen deine Karten eine besondere Note. Vor allem silber- und goldfarbenes Embossingpulver verleiht deiner Karte Glanzpunkte.

Karte mit Schmetterling
Der goldene Embossing-Schmetterling verleiht der Karte eine besondere Note.

Beim Gestalten von Postkarten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Je nach Geschick kannst du Pop Up Karten oder solche mit Origamifiguren herstellen.

Aufkleber oder Washi Tapes peppen einfache Karten auf. 

Eine selbst gestaltete Karte wird auf jeden Fall Eindruck machen und den Beschenkten zeigen, dass sie dir wichtig sind. 

Vielleicht ergibt sich ja daraus auch ein gemeinsamer Karten-Bastel-Abend bei einer schönen Flasche Wein, denn…

Kreativität öffnet Räume.

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