Blauer Vogel , zeigt die Kombination von blau mit anderen Farben.

Blau – Farbe der Sehnsucht

Welche Farbe hat der Sommer? Blau!

Schon als Kind war für mich die Farbe des Sommers Blau. Es waren vor allem die vielen Blautöne des Himmels, die mich faszinierten. Das blasse Blau des hellen Sommermorgens hatte den Geschmack von Freiheit. Sobald die Ferien begonnen hatten, stürmten wir gleich nach dem Frühstück nach draußen. Der Tag lag wie eine Unendlichkeit vor uns, in der wir nur zu den Mahlzeiten das Haus wieder betreten mussten. 

In der heißen Mittagssonne flimmerte der Himmel. Das Blau wurde intensiver und bekam einen goldenen Glanz. An den langen Abenden spielten wir unter dem dunkler werdenden Himmel, an dem langsam die Sterne erschienen. 

Auch heute ist Blau für mich die Farbe des Sommers. Ich werde nicht müde, die Farben des Himmels zu betrachten. Die Weite des Meeres, das am Horizont verschwimmt, weckt in mir die Sehnsucht nach Freiheit und Weite. 

Blick auf das weite Meer und den blauen Horizont.
Die Weite des Himmels und das tiefe Blau des Meeres wecken die Sehnsucht nach dem Sommer.

Blau – Grundfarbe mit Tiefgang

Blau gehört zu den drei Grundfarben: Blau, Gelb und Rot. Diese Farben kannst du nicht mit anderen Farben mischen. Natürlich kannst du verschiedene Farbnuancen durch Mischen herstellen. Das geht aber nur, wenn Blau (bzw. Gelb oder Rot) die Hauptfarbe der Mischung ist. Blau zählt zu den kalten Farben. Mag sein, dass die Assoziation von Eisbergen oder zugefrorenen Seen zu dieser Empfindung geführt hat.

Früher war es sehr schwierig, Stoffe blau zu färben. Deshalb war Blau auch eine Farbe für spirituelle Erhöhung und eine Farbe der Macht. Die Statuen ägyptischer Götter zeigen diese oft mit blau-goldenen Gewändern. Das Kostbarste war für die Götter und Pharaonen gerade gut genug.

In der Romantik (19. Jahrhundert) entwickelte sich Blau zur Farbe der Sehnsucht. Novalis ließ seinen Heinrich von Ofterdingen von einer geheimnisvollen Blume träumen. Diese blaue Blume wurde zum Symbol für die Schriftsteller einer ganzen Generation. Sie war Zeichen der Suche nach dem Glück, der Spiritualität und der persönlichen Entwicklung. 

Hellblaues Vergissmeinnicht auf dem Waldboden.
In der Romantik stand die blaue Blume für die Suche nach dem Glück

Viele Menschen lieben die Farbe Blau. Sie steht für Weite, Freiheit, Sehnsucht, Ausgeglichenheit, Seriosität und Spiritualität. Wohnräume, die mit blauen Farben gestrichen oder dekoriert sind, wirken klar und beruhigend. Vor allem Hellblau hat eine ausgleichende Wirkung auf die Psyche. Es ist sicher kein Zufall, dass blaue Dekore auf Porzellan eine lange Tradition haben. Heute ist der Begriff „Hygge“ in aller Munde. Wenn du eine Zeitschrift oder eine Website unter diesem Titel aufschlägst, springen dir Blau und Naturfarben immer wieder ins Auge.

Die Komplementärfarbe zu Blau ist Gelb. Diese Farbkombination wirkt freundlich, klar, seriös und tiefgreifend. Das ist sicher ein Grund, warum die Farbkombination in der Politik so beliebt ist.

Birnenstückchen auf einem blau-weißem Teller.
Blau ist eine beliebte Farbe Porzellandecore

Unser Alltag ist blau

In vielen Redewendungen hat sich die Farbe Blau einen Platz erobert. Der „blaue Montag“ ist ein arbeitsfreier Montag. Daraus hat sich (wahrscheinlich) der Ausdruck „blau machen“ für das Fernbleiben von der Arbeit oder Schule entwickelt. Wer blau ist, hat zu viel Alkohol getrunken.

Die „Blaue Stunde“ ist die Zeit zwischen Feierabend und Nacht, wenn die hereinbrechende Dämmerung die Farben verblassen lässt. Ins Blaue hinein fahren wir bei einem Ausflug, dessen Ziel wir nicht kennen. 

Laterne und Kirchturm vor dem dunkelblauen Nachthimmel.
Romantische „Blaue Stunde“ in Wald -Michelbach

Im Straßenverkehr signalisiert die Farbe Blau in der Regel Rettung und Schutz. Das Blaulicht auf Rettungsfahrzeugen, Schilder, die auf spielende Kinder, Fußgängerübergänge oder Einbahnstraßen hinweisen zeigen uns, dass Rücksichtnahme gefordert ist.

Bis zum ersten Weltkrieg, war Blau für Europäer eine weibliche Farbe. Das lag daran, dass in der christlichen Kunst, Maria mit einem blauen Mantel dargestellt wurde. Das änderte sich, als die Arbeiter in der Industrie blaue Arbeitsanzüge bekamen. Heute ist Blau eher eine männliche Farbe. 

Macht die Kunst auch blau?

Klar! Auch Künstler erlagen (und erliegen) der Faszination der Farbe. Leonardo Da Vinci malte seiner berühmten Felsgrottenmadonna ein blaues Kleid. Das stand farblich in Beziehung zu dem Himmel, der in der Ferne am Ausgang der Grotte zu sehen ist.

Im Expressionismus beschrieb Kandinsky Blau als Farbe der Tiefe und der Unendlichkeit. Zusammen mit Franz Marc gab Kandinsky 1912 den Almanach „Der blaue Reiter“ heraus. Die blauen Pferde von Franz Marc erlangte schnell Berühmtheit. Marc wollte nicht die Alltagsgestalt eines Pferdes abbilden, sondern sein wahres Wesen, das eigentliche Sein.

Ein Bild des berühmten „Blauen Pferdes“ von Franz Marc könnt ihr auf der Seite der Galerie „Lenbachhaus anschauen:

https://sammlungonline.lenbachhaus.de/objekt/blaues-pferd-i-30019621.html

In der „blauen Periode“ (1902 bis 1905) von Pablo Picasso entwickelte er seinen eigenen Stil. Er malte in diesen Jahren etwa 100 von Melancholie, Einsamkeit und Schwermut geprägte Bilder. Mit der vergeistigten Sehnsucht nach Glück der Romantik hat das Blau bei Picasso nicht mehr viel gemeinsam.

Auf die Spitze getrieben hat die Begeisterung für Blau wohl Yves Klein mit seinen monochromen Bildern. Die sind – blau.

Vielfältige Blautöne sind ein Geschenk für die Seele

Während es früher sehr schwierig war, Stoffe blau zu färben, gibt es heute Dank moderner Chemie viele verschiedene Blautöne.

Türkis ist eine Zwischenfarbe. Manche nehmen sie eher grün wahr, manche eher blau. Für mich ist helleres Türkis eher grün und dunkleres eher blau.

Vogel auf türkisem Hintergrund
Was ist Türkis für dich? Blau oder Grün?

Marineblau ist ein kräftiger, dunkler Farbton, der von der Marine getragen wurde. Die kräftig gefärbten Stoffe sind von Sonne, Salz und Wind nicht so angreifbar, wie hellere Farben. Bei maritimen Dekorationen herrscht Marineblau vor.

Ultramarin ist ein hellerer, kräftiger Ton. Er wurde früher aus gemahlenem Lapislazuli hergestellt und war entsprechend wertvoll.

Jeansblau wird von vielen Menschen als sehr angenehm empfunden. Es ist etwas heller als Marineblau und Ultramarin. Seine Wirkung ist ausgleichend und beruhigend. Vielleicht erklärt das den Siegeszug der Jeanshosen.

Hellblau (z.B. Himmelblau oder Eisblau) verstärkt die Assoziation von Klarheit und Kälte. Es wirkt erfrischend und ausgleichend.

Blautöne und kein Ende

Kornblumenblau ist ein leuchtendes Mittelblau. Es findet oft Verwendung bei Kinderkleidung oder Spielzeug. Sein Leuchten wirkt freundlich und erfrischend.

Nächtliche Gebäude vor blauem Himmel im Stil von Hundertwasser
Für diesen Nachthimmel habe ich Kornblumenblau gewählt, damit die dunklen Gebäude gut zur Geltung kommen.

Indigo, oder Indisch Blau, ist ein tiefes Blau, das schon erste violette Nuancen zeigt. Wohl kaum jemand, der Blaufarben liebt, ist nicht von der Farbe fasziniert. Sie kann sich wie ein Mantel über eine aufgewühlte Seele legen. Probiere es aus. Wenn du sehr verärgert oder wütend bist, hole eine indigoblaue Farbtube hervor und genieße die weichen Pinselstriche und das Bild, das dabei entsteht. Die Stille und Sanftheit der Farbe kann sich in dir selbst ausbreiten.

Mitternachtsblau erinnert an den dunklen Nachthimmel. Stell dir vor, du sitzt in einer stillen Sommernacht bei Vollmond auf einer Bank. Wenn du den Himmel betrachtest, ist er nicht schwarz, sondern von einem tiefen, dunkle Blau. Eine Farbe, die dazu anregt, seinen Gedanken nachzuhängen.

Violett: Hier mischt sich Rot in das Blau und verändert es heftig. Kein Wunder, dass die Frauenbewegung sich die Farbe Violett (Lila) zu eigen machte. Zum klaren, kühlen Blau mischt sich freudiges Rot. Die Kühle der klaren Gedanken trifft auf das Feuer der Wut – und der Liebe. Eine spannende Farbe…

Noch mehr Blautöne und viele andere Farben findest du im Buch „Colorama“ von Cruschiform (Prestel, München, London, New York 2017). Das Buch ist eine unbedingte Empfehlung für Farben-Süchige.

Wer sich weiter mit dem Thema „Farben und ihre Bedeutung“ beschäftigen möchte, dem seien unsere anderen Farben-Blogbeiträge empfohlen:

Lust auf Blau?

Welchen Platz hat die Farbe Blau in deiner Kunst? Hast du sie schon einmal bewusst eingesetzt? Hast du schon einmal darauf geachtet, wie die verschiedenen Blautöne auf dich wirken? Mag sein, dass du zu den Menschen gehörst, die Blau nicht mögen. Vielleicht findest du ja heraus, woran das liegt. Manchmal sind es Erinnerungen, die uns eine Farbe verleiden. Wir bringen sie in Zusammenhang mit Situationen oder Menschen, die für uns schwierig waren. 

Um Herauszufinden, wie du Blau verwendest, kannst du Bilder betrachten, die du spontan und ohne großen Plan gemalt hast. Eine spielerisch gestaltete Collage oder ein intuitiv gemaltes Bild können dir Auskunft darüber geben, welche Bedeutung die Farben für dich haben. 

Findest du heraus, dass du beim Malen der Bilder, die viel Blau enthalten, besonders glücklich warst, ist Blau genau deine Farbe. Sie wird dir helfen, mit schwierigen Gefühlen umzugehen und dich wieder stärker zu dir selbst führen. 

Liebst du den Himmel oder das Meer, so kann die Farbe bei dir ein Wohlgefühl auslösen. Sie hilft dir, mit den Belastungen des Alltags fertig zu werden.

Vogel auf blauem Hintergrund
Eine Farbe kann schöne Erinnerungen wecken.

Ein paar Tipps zum Abschluss

Wir malen und gestalten zwar am liebsten spielerisch und genussvoll, aber einige Tipps zum Umgang mit der Farbe Blau gibt es doch. 

Deine Bilder oder Collagen wirken harmonischer, wenn du dich auf ein Farbspektrum von höchstens drei Farben beschränkst. Verwendest du Blau als Hauptfarbe, so kannst du wegen der vielen Abstufungen, die es gibt, sehr ausdrucksstarke Bilder malen. Setzt du in blaue Szenen einige gelbe oder hellgrüne Farbtupfer, bekommt dein Bild Schwerpunkte. Sie bieten dem Augen lichte Inseln, führen es über dein Bild oder lassen es ausruhen.

Journal Page mit Salamander in den Farben Blau, Grün und Gelb
Dein Bild wird harmonisch, wenn du dich auf wenige Farben beschränkst.

Kombinierst du Blau mit dunklen, grauen Farbtönen, bekommt dein Bild eine schwere, melancholische Stimmung. Willst du dunkle Gefühle ausdrücken, ist diese Kombination das Mittel der Wahl. Tiefe und Dynamik können auf einem solchen Bild Flächen oder Elemente in Weiß bewirken.

Ein hellblauer Hintergrund (evt. in der Verbindung mit hellen Grüntönen) bietet die Grundlage für ein leichtes, ruhiges Bild. Genau das Richtige, um die Stimmung eines entspannten Sommertages auf dein Papier zu bringen. 

Spannend ist es auch, mit Kontrasten zu spielen. Ein kräftiges Blau, dem du die Komplementärfarbe Gelb entgegensetzt und mit tiefem Orange und Schwarz kombinierst, lässt viele Gestaltungsmöglichkeiten offen. Ruhig und besänftigend wird dein Bild dann nicht mehr sein…

Abstraktes Acrylbild Blau und Gelb
Kompvlementärfarben setzen Akzente und bringen Spannung ins Bild.

Blau ist eine Farbe, die deinen Bilder oder deinem Journal Weite, Freiheit und Sehnsucht schenkt. Es lohnt sich, sie auszuprobieren und mit ihr zu spielen…

denn: Kreativität öffnet Räume. 

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