Mixed Media Collage

Auf den ersten Blick haben Kreativität und Meditation wenig miteinander zu tun. Bei der Meditation geht es um stilles Sitzen und das Wahrnehmen der inneren Bilder. Beim kreativen Arbeiten geht es darum, etwas herzustellen oder etwas auszudrücken. 

Achtsamkeit meint aber nicht nur das stille Sitzen und Meditieren. Achtsam Leben heißt, ganz im Jetzt zu leben. 

Lädst du die Achtsamkeit in dein Leben ein, so übst du, deine Aufmerksamkeit auf den Augenblick zu lenken. Du nimmst wahr, wie sich dein Körper gerade anfühlt bei dem, was du tust. Auf deinen Atem konzentriert, spürst du dich selbst. Deine Gedanken bleiben in der Gegenwart und verlieren sich nicht in Erinnerungen oder Plänen für die Zukunft.

Das vollkommen konzentrierte Tun verbindet dich mit deiner Seele. Eine tiefe Ruhe erfüllt dich, auch wenn deine Hände in Bewegung sind. 

Zen-Meister sprechen davon, welch wichtige Übungen Holz hacken oder Wasser holen sein können. Übersetzt in unser modernes Leben sind vielleicht das Ausräumen der Spülmaschine oder das Kochen eines Abendessens Meditationsübungen.

Der moderne Begriff „Waldbaden“ meint nichts anderes, als mit allen Sinnen in die Natur einzutauchen. Durch das achtsame Wahrnehmen der Natur, verweilen wir ganz im Jetzt. 

Maiglöckchen im Wald
Beim Waldbaden geht es darum, den Wald mit allen Sinnen wahrzunehmen und seine Schätze zu entdecken.

Kreativität lässt dich in der Gegenwart ankommen.

Das Arbeiten mit den Händen bietet immer die Gelegenheit, ganz im Augenblick zu versinken. Im Grunde ist es nicht wichtig, ob du deine Wohnung putzt, malst, mit Holz arbeitest, Fensterbilder bastelst, nähst oder Blumengestecke herstellst. Mit allen Sinnen kommst du bei dir selbst an. Du kannst deine Gedanken fließen und davon ziehen lassen. Die Konzentration auf das Tun deiner Hände fokussiert deine Aufmerksamkeit. 

Hast du einen Beruf, bei dem du die meiste Zeit am Schreibtisch verbringst? Dann wird dir das Arbeiten mit den Händen eine besondere Befriedigung schenken. Das Leben wird greifbarer und der schnelle Fluss der Zeit stoppt.

Hast du einen Beruf, der viel Routine fordert und wenig Abwechslung bietet? Dann ist kreatives Arbeiten ein ausgezeichneter Ausgleich für dich. Beim Gestalten bist du nicht mehr fremdbestimmt und von äußeren Anforderungen abhängig. Du kannst dem, was in dir ist, Raum geben. 

Das Ausmalen von Zentangles oder ähnlichen „Ausmalbildern für Erwachsene“ ist gut geeignet, deinen Geist zur Ruhe zu bringen. Wenn die Stimmen im Kopf zu laut sind, hilft eine ruhige Musik beim „Runterkommen“. Du konzentrierst dich ganz auf die vorgegebenen Formen und Farben. Es gibt kein Ziel, das es zu erreichen gilt. Je mehr es dir gelingt, dich auf die eine Farbe und das eine auszumalende Feld zu konzentrieren, desto mehr lebst du im Augenblick. Es spielt gar keine Rolle, ob die Farben miteinander harmonieren oder ob dir das perfekte Ausmalen gelingt. Nur das Tun zählt. Das Malen hilft dabei, deinen Kopf zu leeren. 

Auch das Ausmalen oder selbst Entwickeln von Mandalas ist ein Meditationstechnik. Tibetische Mönche legen über Wochen Mandalas aus Naturmaterialien oder gefärbtem Sand, um sie gleich nach der Fertigstellung wieder zu vernichten. Das Ergebnis ist unwichtig, das Tun ist das Ziel. Es gilt, den Augenblick des Weges zu leben und zu genießen, ohne sich zu sehr von der Vergangenheit oder der Zukunft beeindrucken zu lassen. Leben findet jetzt statt. 

Du hast Lust bekommen, das einmal auszuprobieren? Bei unseren Freebies findest du einige Mandalas zum Herunterladen.

Der Flow – ein Geschenk der Achtsamkeit

Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben, was der „Flow“ ist. Das Englische Wort „flow“ bedeutet „fließen“ oder „strömen“. Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi beschrieb damit einen psychischen Zustand des Aufgehens in einer Tätigkeit. Für den Psychologen Siegbert A. Warwitz lässt sich der Zustand des Flows am besten mit dem Bild eines ins Spiel versunkenen Kindes beschreiben. Die Außenwelt ist weit weg und Vergangenheit und Zukunft haben keine Bedeutung.

Künstlerin in Aktion.
Beim hingebungsvollen Tun stellt sich schnell ein Glücksgefühl ein.

Im Kreativbereich meint Flow das Glücksgefühl, das entsteht, wenn du Raum und Zeit um dich herum vergisst. Du gibst dich ganz dem kreativen Prozess hin. Eine tiefe Stille breitet sich in dir aus und du hast den Eindruck, was du tust, geschieht ganz von allein. Ohne Anstrengung lässt du einfach nur geschehen, was dir deine Seele zeigt. 

Paro Christine Bolam, eine bekannte Künstlerin und Lehrerin des Intuitiven Malens spricht von einer Quelle der Kreativität, die ins Fließen kommt. (LOVE TO CREATE – Befreie den Künstler in dir, Paro Christine Bolam, Bielefeld 2014)

Auf ihrer Website findest du einige Blogbeiträge und praktische Übungen zu dem Thema.

https://www.cbolam.com/category/wortefarbenblog/

 Michelle Cassou fand für diese Quelle der Kreativität den Begriff „Point Zero“ (POINT ZERO – entfesselte Kreativität, Michelle Cassou, Bielefeld 2001). Um deine ganz eigene Kreativität zu entdecken, lohnt es sich, diese Quelle zu suchen und auf den Point Zero zurückzukehren.

Achtsame Kreativität lädt deine Seele ein

Achtsame Kreativität ist nicht zielorientiert. Jegliches Leistungsdenken steht ihr entgegen. Es geht um den Prozess selbst. Kreativität ganz im Hier und Jetzt lässt geschehen, was im Augenblick geschieht. Wie oft habe ich zu Beginn ein Bild im Kopf, das ich auf das Papier bringen will. Kaum habe ich begonnen, verändert es sich ganz von selbst. Oft ist am Ende ein vollkommen anderes Bild entstanden, als ich geplant hatte. Gerade die Techniken des Intuitiven Malens oder Mixed Media Art unterstützen diese Wandlungsprozess. Beide Arten des Gestaltens sind von vornherein auf Veränderungen hin ausgelegt. 

Lässt du dich ganz auf das achtsame Malen ein, breitet sich ein tiefe Stille in dir aus. Deine Seele atmet auf.

Gut besuchtes Atelier.
Auch in gut besuchten Ladies Drawing Nights wird es nach einer Weile still.

Oft erleben wir diese Stille im Atelier. Nach der ersten Phase des Kennenlernens, Erklärens und Plauderns gibt es in allen Kursen immer wieder Zeiten, in denen es ganz still wird. Diese Stille ist nicht von uns eingefordert, indem wir um eine Zeit des schweigenden Malens gebeten haben. Sie entsteht von ganz allein. Selbst in einer ausgebuchten Ladies Drawing Night, in der sich viele Teilnehmerinnen kennen, wird es irgendwann ganz still. Jede Künstlerin ist ganz in ihrem Bild versunken und nur die leisen Geräusche des Arbeitens sind zu hören. 

Nach einer Weile entstehen dann wieder neue Gespräche und fröhliches Gelächter schallt durch das Atelier.

Auf dem Weg zum Flow

Der Flow in der Kreativität kann nicht erzwungen werden. Er geschieht einfach. Aber du kannst dich auf den Weg zu deiner inneren Quelle oder deinem Ground Zero machen. 

Zunächst einmal lohnt es sich, dich von allen Leistungsgedanken freizumachen. Die vielen alten und neuen inneren Stimmen, die dein Kunstwerk beurteilen wollen, darfst du zum Schweigen bringen. Wenn du ganz achtsam deinen Pinsel in die Farbe tauchst, kannst du im Augenblick verweilen. Da haben weder die Stimmen aus der Vergangenheit ihren Platz, noch die Überlegung, was denn die anderen wohl zu deinem fertigen Bild sagen werden. 

Malerin mit Art Journal Page
Der kreative Flow stellt sich ein, wenn du ganz in deinem Tun versunken bist.

Freiere Kunstformen können den Weg zum Flow erleichtern. Hast du dir vorgenommen, etwas genau abzuzeichnen (etwa die Kirche in einer fremden Stadt), entsteht schnell ein gewisser Druck. Du musst schon eine sehr erfahrene Zeichnerin sein, damit du dich dem Druck, dein Modell möglichst genau abzuzeichnen, widersetzen kannst. 

Je verspielter du an dein Bild herangehst, desto leichter kannst du die inneren Stimmen und eigenen Ansprüche zum Schweigen bringen. Die innere Haltung von „Ich probiere nur mal was aus und schau, was passiert.“ ist eine andere als von „Ich will ein schönes Bild für den Geburtstag der Freundin malen.“ Kleine Übungen wie das Zeichnen mit der „schwachen“ Hand, mit geschlossenen Augen zeichnen oder etwas bewusst zu verfremden, machen Spaß. Sie laden zu einer offenen, verspielten Kreativität ein. 

Einige weitere Gedanken dazu findest du in unserem Blogbeitrag:

Unser persönliches Lieblingskind: Mixd Media Art

Während beim Intuitiven Malen mit Pinsel oder Händen und Farben gearbeitet wird, zeichnet sich Mixed Media Art durch eine Vielfalt von Techniken aus. Durch die Kombination von Farben, Bildern, Stempeln und anderen Materialien entstehen verspielte Kunstwerke. Während des Schaffensprozesses verändern sich die Bilder immer wieder. Elemente werden halb oder ganz verdeckt, Perspektiven verschoben oder neue Flächen geschaffen. So kannst du dich langsam an das herantasten, was deine Seele ausdrücken will.

Tisch mit Schnipseln und einer Künstlerin, die eine Collage gestaltet.
Mixed Media Art WIP

Die Verwendung von Stempeln und Bildern, die aufgeklebt oder transferiert werden, schwindet der Leistungsdruck. Die Angst davor, etwas nicht „richtig“ malen zu können, ist wohl der größte Hemmschuh auf dem Weg zur inneren Quelle der Kreativität. Die „fertigen“ Elemente schenke dir eine große Freiheit, das auszudrücken, was dich bewegt.

Beim Gestalten, Ausprobieren und Verändern wird dein Verstand sanft beschäftigt. So kann das, was deine Seele zeigen will, von ganz allein seinen Weg auf dein Kunstwerk finden. So lebendig Mixed Media Art Bilder wirken, so leicht führt dich die Kunstform in die Gegenwart und die Stille.

Neugierig geworden? Dann lies doch mal unsere Blogbeiträge zum Thema Mixed Media Art:

Achtsamkeit und Kreativität – also doch ein Dreamteam

Achtsamkeit ist eine gute Begleiterin auf deinem kreativen Weg. Du fokussierst dich auf dein Werk. Die Gegenwart gewinnt an Bedeutung. Das Ankommen im Augenblick ist ein großes Geschenk, denn das Leben findet im Jetzt statt. Nur dieser eine Moment ist deine Wirklichkeit. Je präsenter du bist, desto authentischer und ausgefüllter kann dein Leben werden. 

Mixed Media Collage in Schwarzweiß.
Die Seele drückt sich in Bildern aus.

Kreativität und Achtsamkeit stärken deine Resillienz. Sie können einem Burnout vorbeugen. Denn die Realität findet im Jetzt statt und vor allem im Jetzt kannst du deine Selbstwirksamkeit erleben. 

Das Spielen mit Farben und Formen, das Verweilen im Augenblick und die Stille, die den Flow einlädt, machen uns glücklich – und viele unserer Kursteilnehmerinnen auch, denn…

Kreativität öffnet Räume.

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Gila am 24. Mai 2020 um 21:40

    Klingt alles sehr schlüssig. Macht Lust es auszuprobieren ! Gila 🌕 .

    • Veröffentlich von Christine Wuillemet am 1. Juni 2020 um 8:16

      Liebe Gila, herzlichen dank für deinen netten Kommentar! Für mich diese zwanglosen Spielereien mit Farbe und Papier regelrechte „Inseln“. machen den Kopf frei, bringen viele neue Ideen und Kraft für und Lust auf den Alltag. Alles Liebe und viel Spaß beim kreativen Ausprobieren.!

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